Neue Fassade am Rathaus

Stadtarchivarin Dr. Alexandra König: „Die neue Fassung knüpft nun wieder an den historischen Zustand eines Teils des heutigen Rathauses an und verbindet damit überzeugend die Epochen. Denn die äußeren Flügel sind historische Bauwerke. Sie stammen aus der Zeit um 1900, der mittlere Trakt wurde rund einhundert Jahre später durch den heutigen, modernen Bau ersetzt.“

Eine Vorstellung von der Wirkung der historischen Anlage gibt ein undatiertes Aquarell des Marstalls und der Remise. Es stammt aus dem Großherzoglichen Luxemburgischen Besitz. Die Geschichte des Hauses: Das Areal des heutigen Rathauses kaufte in den 1860er Jahren Herzog Adolph, der spätere Großherzog von Luxemburg. Bereits 1858 hatte er für seine damals frisch angetraute junge Frau, Adelheid Marie das später sogenannte Luxemburger Schloss erworben.  In den folgenden Jahren vergrößerte das Paar den Besitz durch Zukauf eines angrenzenden Schulareals aus Domanialvermögen.

Das Schulgebäude wurde als Hofküche und Dienerwohnung eingerichtet, es lag an dem heutigen Burgweg Nr. 5, im Gartenbereich entstanden Wirtschaftsgebäude und der Marstall. Diese sind auf dem Aquarell zu sehen.

König: „Das linke Bauwerk des Bildes wurde später niedergelegt und 2001 durch den Bau des heutigen, neuen Rathauses ersetzt. Das rechte Gebäude auf dem Aquarell entspricht in seiner Grundanlage noch dem heutigen südlichen Flügel des Verwaltungssitzes. Der nördliche Flügel wurde auf dem Aquarell nicht wiedergegeben.“

Eine Mutmaßung über die Zeichnung: Vielleicht war dieses ein Entwurf für die dargestellten Bauten. Der nördliche Flügel, die ehemalige Schule, ließ das Herzogpaar 1905 durch einen Neubau ersetzen. Dieser ist in dem heutigen nördlichen Flügel am Burgweg noch enthalten.

 

Dipl.- Ing. Kirsten Herschel von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Hochtaunuskreises betont: Ziel der Denkmalschutzbehörden war es, die historischen Gebäude mehr der bauzeitlichen Gestaltung anzupassen. Der Bestand mit sehr hartem Weißton und dazu stark kontrastierenden fast schwarzem Fachwerk und Hölzern stammt aus einer neuzeitlichen Zeit, in der Fachwerkhäuser oft so stereotyp gestaltet wurden.“

Die vormalige Gestaltung des Hauses mit kaltem Grauton des neuzeitlichen Mittelbaus und fast gelben Fenstern war ebenfalls ein Zeichen seiner Bauzeit. Aufgrund von Feuchtigkeitsschäden im Sockelbereich der Gebäude wurden die Sockelbereich bei den notwendigen Sanierungsarbeiten sehr hochgezogen, sodass sie teilweise die Fensterbänke übersteigen. Dieser sehr unübliche Zustand beeinträchtigte das optische Erscheinungsbild der Gebäude.

 

Zusammen mit dem beauftragten Maler Olaf Maurer haben sich Mitarbeitende der Unteren Denkmalbehörde Gedanken gemacht, wie man die Gebäudeteile aus den verschiedenen Bauzeiten gestalterisch etwas mehr zusammenführen könnte, ohne dass sie ihre Eigenständigkeit verlieren.

Als erstes wurde der helle sandfarbene Farbton für die Gefache aufgrund der langjährigen Kenntnis der Gestaltungen der Gebäude im Taunus aus derselben Bauzeit gewählt. Dazu passend kam der warme Braunton hinzu, um die Fassade insgesamt aufzuhellen und den Kontrast der Farben zu verringern. Dies erfolgte in enger Abstimmung mit Vertretern der Stadt Königstein.

Die Sockelgeschosse der Seitengebäude werden im kommenden Jahr Jahr ebenfalls in der hellen Sandfarbe gestrichen. Der unschöne hohe Sockel wird aufgrund von anderen Materialanforderungen mit einem anderen Fabrikat, aber im ähnlichen Farbton gestrichen, sodass das Erdgeschoss, wie jetzt schon am Rathaus, als eine Einheit wahrgenommen werden kann.

 

Um den modernen Rathausmittelbau farblich mit einzubeziehen, wurde die helle Fassadenfarbe der Gefache nun als Fensterfarbe am modernen Rathausteil wiederholt und die Fassade in einem dunkleren Sandfarbton abgesetzt, der auch mit der Sandsteinumrandung des Tores harmoniert. Auch das Tor hat wieder eine bauzeitliche Farbgebung erhalten.

 

Herschel: „Aus denkmalpflegerischer Sicht stellt die farbliche Gestaltung des Königsteiner Rathauses eine Verbindung zu den vielen wertvollen Denkmälern in der Altstadt und Umgebung her. Wir danken der Stadt Königstein und allen am Bau Beteiligten für die gute Zusammenarbeit.“