Bürger setzen klare Prioritäten

Bürgermeisterin Beatrice Schenk-Motzko: „Wir arbeiten bereits intensiv an Maßnahmen für mehr Sicherheit auf dem Schulweg. Ein neuer Zebrastreifen ist zum Beispiel in Falkenstein geplant.“

 

Die Veranstaltung ist Teil der Erarbeitung des integrierten Mobilitätsplans nach dem europäischen Standard eines „Sustainable Urban Mobility Plan“ (SUMP). Nach einem fachlichen Impuls von Prof. Dr. Martin Lanzendorf (Goethe-Universität Frankfurt) sowie Beiträgen von Lisa Lauf (Hochtaunuskreis) und Georgios Kontos (Regionalverband FrankfurtRheinMain) stand die Beteiligung im Mittelpunkt. In Arbeitsphasen bewerteten die Teilnehmenden die Mobilität in Königstein und entwickelten konkrete Vorschläge entlang der Handlungsfelder des Leitbildes.

 

Um die Komplexität der Mobilitätsplanung deutlich zu machen, wurden Maßnahmen nicht nur aus eigener Sicht, sondern auch aus Perspektive verschiedener Personas – etwa von Familien mit Schulkindern, mobilitätseingeschränkten Personen oder Berufspendlern – diskutiert. Dabei zeigte sich: Viele Vorhaben bringen Zielkonflikte mit sich, etwa zwischen Verkehrsfluss und Verkehrsberuhigung oder zwischen zusätzlichem Parkraum und höherer Aufenthaltsqualität. Dennoch lassen sich klare Prioritäten ableiten.

 

Verkehrssicherheit erhöhen

Die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmenden, insbesondere von Kindern, älteren Menschen sowie Fuß- und Radfahrenden, wurde als höchste Priorität benannt. Um das morgendliche Verkehrsaufkommen vor Schulen zu reduzieren, wurden sogenannte Elterntaxi-Parkplätze vorgeschlagen. Zudem wurde eine Ausweitung von Tempo-30-Zonen angeregt.

Auch der Königsteiner Kreisverkehr war mehrfach Thema: Die Situation für den Fuß- und Radverkehr wurde als zu gefährlich bewertet – u. a. wegen langer Wartezeiten an Ampeln und unübersichtlicher Querungen. Ampelzeiten von bis zu zehn Minuten führten laut Teilnehmenden dazu, dass Schulkinder bei Rot die Fahrbahn querten. Als weitere Sicherheitsrisiken wurden Gehwegparken sowie Radverkehr auf Gehwegen benannt.

Zudem wurde die unsichere Situation für Radfahrende aufgrund fehlender durchgängiger Radverbindungen hervorgehoben. Netzlücken führen dazu, dass Radfahrende auf stark befahrene Straßen ausweichen müssen oder in unsicheren Mischverkehrssituationen unterwegs sind.

 

Nachhaltige, starke und attraktive Kurstadt

Ein weiteres zentrales Thema war die Belastung durch Durchgangsverkehr. Viele Bürgerinnen und Bürger schilderten Lärm und Beeinträchtigungen der Luftqualität insbesondere in der Innenstadt und entlang stark frequentierter Straßen.

Gefordert wurden daher eine Reduzierung des Durchgangsverkehrs, ein effizienteres Parkraummanagement sowie ein digitales Parkleitsystem, um Parksuchverkehr zu verringern. Zudem wurde angeregt, die Frankfurter Straße stärker auf den Fuß- und Radverkehr auszurichten und damit die Aufenthaltsqualität zu erhöhen.

Schenk-Motzko: „Es ist gut, wenn sich viele Menschen an diesem Projekt beteiligen. Einige der vorgeschlagenen Lösungen und Wünsche werden von der Verwaltung auch im Rahmen der neuen Stadtmitte berücksichtigt. Probleme wie den Durchgangsverkehr durch die Bundesstraßen werden nur sehr schwer zu lösen sein.“

 

Aktive Mobilität erhöhen

Zur Förderung von Fuß- und Radverkehr wurde ein durchgängiges, sicheres Netz gefordert. Besonders wichtig sind bessere Radwegeverbindungen zwischen den Stadtteilen sowie in Richtung Bad Soden oder Oberursel.

Mehr Fahrradabstellplätze – insbesondere an Bahnhöfen und zentralen Orten – wurden mehrfach genannt. Auch die eingeschränkten Möglichkeiten zur Fahrradmitnahme im Bus wurden kritisch bewertet. Für den Fußverkehr wurde betont, dass zumindest die Hauptrouten in die Innenstadt ausreichend breit und sicher gestaltet sein sollten. Als kurzfristig wirksame Maßnahme wurde gefordert, Bewuchs auf Gehwegen konsequent zurückzuschneiden und rechtswidriges Gehwegparken stärker zu kontrollieren und zu ahnden.

 

Gut vernetzt den Umweltverbund nutzen

Ein leistungsfähiger Umweltverbund aus Fuß-, Rad- und öffentlichem Verkehr wurde als zentrale Zukunftsstrategie beschrieben. Gefordert wurden digitale Fahrgastinformationen an allen Haltestellen sowie eine verlässlichere Echtzeitinformation in der RMV-App. Auch die Kommunikation bei Verspätungen am Bahnhof wurde als verbesserungswürdig benannt.

Zudem wurde eine stärkere Einbindung privater Anbieter wie Sammeltaxis, Bike- und Carsharing oder E-Scooter angeregt, um flexible Mobilitätsangebote zu schaffen.

 

Effizientes Pendeln in Stadt und Region

Für Pendlerinnen und Pendler wurden Verbesserungen im Bahn- und Busangebot vorgeschlagen. Dazu zählen eine höhere Taktung der RB 12, der Ausbau von Bike+Ride- und Park+Ride-Anlagen, die Prüfung eines RB-12-Express mit Auslassen einzelner Zwischenstationen, allgemeine Taktverdichtungen sowie ein Schnellbus vom Kreisel in umliegende Gemeinden mit S-Bahn-Anschluss.

Als wichtiger Beitrag zur Barrierefreiheit wurden der barrierefreie Ausbau aller Haltestellen sowie interessanterweise die Idee eines Aufzugs vom Bahnhof in die Stadtmitte genannt.

Nicht alle Wünsche können vollständig umgesetzt werden. Rechtliche, räumliche und finanzielle Rahmenbedingungen sowie unterschiedliche Interessen erfordern Abwägungen. Ziel ist es nun, auf Basis der genannten Prioritäten einen realistischen und ausgewogenen Maßnahmenkatalog zu erarbeiten.