So etwa beim Kapuzinerplatz, der dank seiner beginnenden Umgestaltung auch in den Fokus des Stadtarchivs rückt.
Die geplanten Arbeiten bieten den Hintergrund, einen genaueren Blick auf die wechselvolle Geschichte der heutigen Stadtmitte zu lenken, wo sich einst ein Kloster der Kapuzinermönche befand. Auch aus überregionalem Blickwinkel liegt eine Beschäftigung nahe. Denn vor 800 Jahren starb der Gründer des Mutterordens, Franz von Assisi (1181-1226). Seine Regeln befolgten auch die Bettelmönche der nach ihren Kapuzenkutten sogenannten Kapuziner. 1646, also vor 380 Jahren, wurden sie nach Königstein berufen, um sich hier nach ihren strengen Regeln um die Seelsorge zu kümmern und gegen die „Verrohung der Sitten“ zu wirken. Das Kloster wurde mit dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 aufgelöst, Teile des Gebäudes später zum Hotel ausgebaut bevor es in Folge des 1. Weltkriegs und der Besatzungszeit abgerissen werden musste. Der Parkplatz kam an die Stelle des Gebäudes, die Konrad-Adenauer-Anlage nahm das Außengelände ein. Doch schon bald begannen Überlegungen zu einer Umgestaltung.
Bedeutende Jubiläen
Für den Heilklimatischen Kurort Königstein stehen aber auch zwei bedeutende Jubiläen an: vor 175 Jahren am 24. Juli 1851 eröffnete der Arzt Dr. Georg Pingler seine Kaltwasseranstalt in Königstein. 25 Jahre später, im April 1876, wurde Dr. Peter Dettweiler als leitender Arzt der Lungenheilanstalt in Falkenstein, damals noch eine eigene Gemeinde, berufen. Während Pingler die unterschiedlichsten Krankheitsbilder mit seinen Naturheilverfahren behandelte, war die Dettweilersche Anstalt auf die seiner Zeit weit verbreitete tödliche Krankheit der Lungentuberkulose spezialisiert und avancierte unter dem kreativen Arzt Dettweiler zu einer Institution, die nicht nur gut betuchte Patienten aus Nah und Fern anzog, sondern auch in die Ferne wirkte. Davon zeugen etwa die Davoser Liegestühle, einst von Dettweiler für sein hiesiges Sanatorium entwickelt und dann in dem Schweizer Höhenort übernommen.
1891 gründete dann Dr. Hugo Amelung an der Adelheidstraße seine Anstalt für Wasserheilverfahren, eine Institution, die stets auf den neusten Stand gebracht noch heute existiert und bei Entspannung- und Erholungssuchenden ein begehrtes Ziel ist. Im selben Jahr war auch die Villa des Ehepaars Andreae de Neufville am Gegenhang zum Burgberg fertiggestellt. Der weithin sichtbare schlossartige Bau, der schnell zu einem Wahrzeichen der Stadt avancierte täuscht ein wenig darüber hinweg, dass er eigentlich als Sommerdomizil für eine kleine Familie gebaut wurde. Als Spielplatz für den Sohn des Hauses wurde eine eigene kleine Burgruine im Garten errichtet. Grund genug für Stadtarchivarin Dr. König einmal einen Blick auf die Kindheit in Königstein damals zu werfen. Denn auch die hochwohlgeborenen Kinder des Herzogpaars im später sogenannten Luxemburger Schloss erinnerten sich gerne an die Spielmöglichkeiten in der Sommerresidenz ihrer Eltern. Die Kindheit vieler Einheimischen sah dagegen ganz anders aus.
Luxemburger Schloss
Das Luxemburger Schloss, heute ein Sitz des Amtsgerichts, wurde vor 55 Jahren von der Stadtgemeinde angekauft, um es für die Nachwelt zu erhalten. Die Geschichte des Gebäudes, Fotos und viele Erinnerungen wurden zusammengetragen und werden ab 2026 in dem vom Stadtarchiv zusammen mit Christoph Klein und vielen Autoren vorbereiteten Buch nachzulesen sein.
Wie groß das Interesse der Königsteiner an dem Gebäude ist, wurde am „Tag des offenen Denkmals“ mit Vorträgen und Führungen der Stadtarchivarin Alexandra König deutlich. In 2026 wird - quasi als Fortsetzung - der zweite Königsteiner Sitz des Amtsgerichts auf der Gerichtsstraße im Fokus stehen, ein vollkommen anderes, aber ebenso geschichtsträchtiges Haus.
Aktuelle Themen
Aber auch aktuelle Themen werden behandelt: in 2026 trägt die Metropolregion Frankfurt Rhein-Main den Titel „World Design Capital“ und hat sich das Motto „Design for Democracy. Atmospheres for a better life“ gewählt. Da darf Königstein, seit 2025 auch Mitglied im Netzwerk „Verfassungsstädte“ natürlich nicht fehlen. Es beteiligt sich an einem Projekt des Hochtaunuskreises und wird drei „Demokratie-Standorte“ in der Stadt mit ihrer Bedeutung für das demokratische Gemeinwesen in der Lokalgeschichte hervorheben. Zudem legt König den Fokus auf die „Kunst am Bau“ mit einer Ausstellung von Entwürfen für kommunale Bauten. Einige davon sind in der Zeit der Kanzlerschaft Konrad Adenauers entstanden. Adenauer, Namensgeber der bereits eingangs erwähnten Anlage, ist in Königstein unter anderem zu verdanken, dass die Konferenzen der Ministerpräsidenten der Länder in der unmittelbaren Nachkriegszeit in Königstein stattfanden. Natürlich erinnert das Stadtarchiv daher auch an seinen 150. Geburtstag.
