Königstein im Taunus

Inge will Königstein voranbringen

„Wieder einmal ein zum Scheitern verurteilter Versuch“ – das waren die Reaktionen der Hausbesitzer, Ladenbetreiber und anderer Gesprächspartner, als sie erstmals von INGE hörten, einem Gesetz des Landes Hessen zur Stärkung Innerstädtischer GEschäftsquartiere. Zu oft waren in den vergangenen Jahren Ansätze zur Neugestaltung und Belebung der Königsteiner Innenstadt beerdigt worden oder im Sande verlaufen. „In Königstein redet man nur herum, passieren tut gar nichts“.

Trotzdem hat sich vor einem Jahr die Stadtverwaltung beim Land um die finanzielle Unterstützung einer Initialphase beworben, um zumindest wieder einmal geordnet über das Thema nachzudenken. Der Antrag wurde tatsächlich positiv beschieden, das Land fördert die Kommunikation, die Moderation von Veranstaltungen und die Aufbereitung zugehöriger Dokumentationen. Kernansatz dabei ist, dass die Hauseigentümer die weiteren Aktivitäten selbst vorantreiben und tragen, um die Attraktivität „ihrer“ Innenstadt zu steigern. Sofern die Eigentümer nicht selbst das Geschäft im eigenen Hause führen, werden auch die Mieter bzw. Betreiber von Geschäften eingebunden.

Dieser ca. 300 Personen umfassende Kreis wurde im Sommer letzten Jahres zu einer Auftaktveranstaltung im HdB eingeladen; rund 50 nahmen teil. In drei „Themenwerkstätten“ im September, Oktober und November 2016 zu den Themen „Marketing“, „Öffentlicher Raum“ und „Aktionen“ wurden die möglichen Ansätze zu einer Steigerung der Attraktivität der Innenstadt von Königstein vertieft. Ein „Werkstattgespräch“ am 15. Februar 2017, wiederum im HdB, würdigte die Ergebnisse, diskutierte und ergänzte sie. Vor allem wurde eine Priorisierung der Maßnahmenvorschläge vorgenommen. „Lieber zwei Maßnahmen tatsächlich und rasch umsetzen, als ein Dutzend Vorschläge zu planen und wieder zu zerreden“ war die Leitlinie, eingedenk der bisherigen Erfahrungen.

Die nebenstehende Tabelle zeigt die Maßnahmen, die am höchsten bewertet wurden. Dabei stehen auf den Plätzen 1 bis 17 die Maßnahmen, die von den Eigentümern allein oder in Zusammenarbeit mit der Stadt vorangetrieben werden sollen. Am Ende der Tabelle stehen Maßnahmen, die weitgehend Sache der Stadt sind. Obwohl es explizit nicht das Ziel von INGE ist, Wunschzettel an die Stadt zu schreiben, sind letztere Maßnahmen, weil als besonders wichtig erachtet, aufgelistet.

Die Teilnehmer am Werkstattgespräch, im Übrigen von einer ausgesprochen konstruktiven Atmosphäre gekennzeichnet, waren sich einig, dass der Fokus zuerst auf die Maßnahmen bis 4 gelegt werden soll. Dies hat vor allem den Charme, dass die korrelierenden Maßnahmen 1 und 3 ein Thema für die Zusammenarbeit von Stadt und Privaten sind, während die Maßnahme 2 und die Maßnahme 4 primär von den Eigentümern und Geschäftsinhabern vorangebracht werden könnten. Die Maßnahmen ab Platz 5 sollen zunächst nicht im Fokus stehen, es sei denn, sie sind bereits in Angriff genommen, wie die „Digitalen Informationsdisplays“ seitens des HGK (VEREIN HANDWERK UND GEWERBE IN KÖNIGSTEIN E.V.) oder wie die Bemühungen der Stadtverwaltung um bessere Stadtreinigung oder um Blumenschmuck an den Laternen in der Fußgängerzone.

 

            INGE  KÖNIGSTEIN Prioritätentabelle 15. Februar 2017

1.          Gemeinsame Marketingstrategie

2.          Schönere/funktionstüchtigere Abfalleimer                                                                          

3           Leute nach Königstein holen, z.B. mit (Radio-)Werbung

4.          Abgestimmte, transparente Laden-Öffnungszeiten                                    
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5.          Königstein-App, als Wegweiser auf dem Smartphone
                                                           
6.          Abgestimmte Laufwege/Interessante Schaufenster

7.          Zusätzliche Stadtreinigung

 8.         Wasser sichtbarer im Stadtbild (Brunnen, Wasserspiele)                                    

 9..        Digitale Informationsdisplays

10.        Pressearbeit (Königstein bekannt machen)                                                           

11.        Mehr Grün (Blumenampeln, Pflanzen an den Eingängen)                         
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12.        Fassadenstrahler

13.        Private Sicherheitsdienste

14.        Königstein-Karte (Bonuskarte)

15.        Koordinationsstelle Mieter/Vermieter

16.        Fassadenschmuck (Blumenkästen)

17.        Gestaltung/Sauberkeit Hauseingangsbereiche                   

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Stadt:   Neugestaltung Kapuzinerplatz/Konrad-Adenauer-Anlage/Busse                                   

              Parkplatzwegweiser                                                            

              Parkscheibe, Parkzeiten regelmäßig kontrolliert                                         
     
              Parkdeck Milchhof                                                                

              Opelzoo-Einbindung/Shuttle Bus     

Über die länger wirkenden Maßnahmen hinaus wurden eine ganze Reihe an Ideen für temporäre Aktionen gesammelt, die zum Teil auch schon in der Vergangenheit verwirklicht wurden:

  •   Weihnachtsmarkt: Weihnachtsmarktaffine Produkte in Geschäften
  •    Königsstein bei Kerzenschein: Stadt beleuchtet, Geschäfte auch abends geöffnet
  •    Neuigkeiten-Tag: Neue Mode - neue Ware
  •    Branchenspezifische Aktionen: Feinkostabend, Tag der Frisuren, etc.
  •    Einbezug und Thematisierung der Burg
  •    Thema „Vergangenheit und heute“: 1950er-Mode, Oldtimer, Zeitzeugen, etc.
  •    Gesundheits-/Klinik-Tag
  •    Service-Angebote: Schuhputz-Tag, Frisier-Tag, etc.
  •    Musik: „Jazz auf der Gass“
  •     „Äppler auf der Gass“
  •    Straßenfeste: „Streetfood-Festival“, Genießermarkt

In Einzelgesprächen, auch mit der Stadt, sollen nun die Vorschläge für Maßnahmen hoher Priorität näher ausgearbeitet werden; es ist zu überlegen, wie die Umsetzung erfolgen kann und, nicht zuletzt, welche Kosten damit verbunden sind. Im Idealfall kümmert sich ein „Trägerteam“ um die einzelne Maßnahmenidee.
Anschließend kann gemäß den Bestimmungen des INGE-Gesetzes ein Antrag auf Gründung eines „INGE-Bereichs gestellt werden. In diesem Antrag werden von den Eigentümern die Maßnahmen und das Budget bestimmt. Der Antrag muss im ersten Schritt von mindestens 15% der Hauseigentümer unterstützt werden. Anschließend werden alle Eigentümer angeschrieben und zur Stellungnahme aufgefordert. Sollten nicht mehr als 25 % der Eigentümer dem Antrag widersprechen, kann die Stadt den INGE-Bereich als gegründet beschließen. Alle Eigentümer, auch die, die auf das Anschreiben überhaupt nicht reagiert haben, sind dann verpflichtet, sich finanziell zu beteiligen. Die Stadt wird die spezifizierten Beiträge erheben und für die Finanzierung der Maßnahmen zur Verfügung stellen.

Im Werkstattgespräch am 15. Februar wurde der INGE-Bereich, im INGE-Gesetz des Landes Hessen auch als „Innovationsbereich“ bezeichnet, im ersten Entwurf abgegrenzt. Zu ihm sollen gehören: die gesamte Hauptstraße vom Parkhotel Bender bis zum Alten Rathaus, die Georg-Pingler-Straße zwischen Hauptstraße und Klosterstraße sowie die Kirchstraße hinunter bis an die ersten Häuser der Herzog-Adolph-Straße.

Es wird gewiss nicht leicht sein, alle Hürden zu nehmen. Aber selbst wenn das Projekt nicht über die formalen Hürden hinwegkäme, könnte aus dem konstruktiven Zusammenwirken von Hauseigentümern, Geschäftsbetreibern und Stadt eine Initiative entstehen, die den Kern unserer Stadt schöner, lebendiger und damit auch geschäftlich interessanter macht.
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7.3.2017