Königstein im Taunus

Mit Fleiß, Disziplin und so großem Herzen

Eigentlich wollte sie nur fünf Jahre in Deutschland bleiben. Nur so lange, um genügend Geld für eine Strickmaschine zu sparen. Doch aus dem ursprünglichen, zeitlich begrenzten Ziel der damals 18-Jährigen ist ein ganzes Leben geworden. Dieser Tage wurde Cacilda da Conceicao Martins da Silva Pinto schweren Herzens  in den Ruhestand verabschiedet.

Natürlich hat niemand mehr als Frau Pinto den Ruhestand verdient. Aber die Verwaltung lässt sie nur sehr ungerne gehen, denn die ehemalige Hausgehilfin und Küchenhilfe im Haus der Begegnung und spätere Reinigungskraft in der Kur- und Stadtinformation, in der Stadtbibliothek, im Standesamt, Jugendhaus und im Betriebshof war in allen ihren eingesetzten Wirkungsstätten überaus beliebt und geschätzt.

Ohne ein Wort Deutsch zu sprechen kam sie 1971 als 18-jährige junge Frau aus dem schönen Portugal nach Königstein und fand gleich einen Job im Haus der Begegnung. Mit Fleiß und Disziplin - Eigenschaften, die sich durch ihr ganzes Leben ziehen sollten - nahm sie ihre Aufgaben an und hat „nie Nein gesagt“, wie sie erzählt. So begann der Tag um 6 Uhr in der Früh als Hilfe in der HdB-Küche und endete auch schon mal nachts um 1.30 Uhr als Bedienung in der HdB-Klause. Zwischendurch wurden im damaligen Hotel des HdB die Gästezimmer aufgeräumt und die Betten gemacht. Überall, wo es etwas zu tun gab, war Frau Pinto mit großer Sorgfalt und zudem stets guter Laune im Einsatz.

Das änderte sich auch nicht, als das HdB saniert wurde und sie als Reinigungskraft in verschiedene städtische Immobilien abgeordnet wurde. „Das hat mir sogar sehr gut gefallen, denn jetzt konnte ich meine Arbeitszeit frei einteilen“, blickt sie zurück. Und obwohl sie meistens schon fertig war, bevor die ersten Kollegen zur Arbeit kamen, schaffte sie es doch überall leicht, dass alle sie in ihr Herz schlossen. Ein nettes Nachfragen nach den Kindern hier, ein freundliches Wort da - Frau Pinto kümmerte sich um weit mehr, als nur um die Sauberkeit der Räumlichkeiten. So mancher Kollege schaut auch mit gewisser Sorge auf die Büropflanzen -was soll jetzt aus ihnen werden? Denn Frau Pinto hegte und pflegte sie nicht nur, sie zog auch zur Freude aller Ableger heran. Wie hoch geschätzt und beliebt sie war, sieht man auch daran, dass sie zu den Weihnachtsfeiern der einzelnen Fachbereiche immer gerne eingeladen wurde.

So war es denn auch kein Wunder, dass bei ihrer kleinen Abschiedsfeier ihre Vorgesetzten und Weggefährten mit großer Dankbarkeit und Anerkennung, aber auch mit ein bisschen Wehmut ihr nur das Beste wünschten.
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6.12.2016