Königstein im Taunus

Ein Uhu-Junges auf der Königsteiner Burg

Zufällige Entdeckung unterm acht Meter hohen Nest

Das prominente Uhu-Paar macht es der Stadt Königstein und allen Uhu-Freund*innen in diesem Jahr nicht leicht. Zum einen sind die beliebten Uhus „Charlotte“ und „Leopold“, wie sie liebevoll von den Uhu-Fans genannt werden, aus ihrem ursprünglichen Horst im Innenhof an einen nicht einsehbaren Ort gezogen. Zum anderen ist auch in diesem Jahr wieder ein Junges aus dem Nest gefallen.


In der vergangenen Woche entdeckten Mitarbeiter des städtischen Betriebshofs bei Arbeiten auf der momentan geschlossenen Burg, zufällig einen jungen Uhu unterhalb des acht Meter hohen Nistplatzes. Eilig wurde Christian Wick, der Falkner vom Feldberg-Falkenhof, gerufen. Der Experte konnte zum Glück feststellen, dass dem nur wenige Wochen alten Jungvogel nichts passiert war. Er entschied, den Vogel dorthin zu setzten, wo es für ihn am besten sei – zurück ins Nest zu den Eltern. Das gelang mittels eines Hubsteigers vom Königsteiner Betriebshof problemlos. Die Eltern haben das Junge auch anscheinend wieder angenommen, wie man aus der Ferne beobachten konnte.

Bürgermeister Leonhard Helm: „In diesem Fall war die Entdeckung auf der sonst menschenleeren Burg und die Zurücksetzung des Uhus im Nest ein glücklicher Zufall.“ Die Königsteinerin Anne Pfenninger und ihr Mann hatten das Junge auch schon in der Nische endeckt und aus der Ferne das tolle Foto schießen können. Anne Pfenninger: "Als Biologen beobachten wir oft die Tiere auf der Burg und staunten nicht schlecht, als uns der Unhu und ein Junges vor die Linse kam."  

Im vergangenen Frühjahr hatte eine Live-Cam die gesamte Brutzeit die Aufzucht der Jungvögel auf dem Königsteiner YouTube-Kanal übertragen. Millionen Zuschauer verfolgten Tag und Nacht live das Geschehen. Viele erinnern sich noch heute an die dramatische Rettungsaktion des „Quax“ genannten Uhus, der herunterfiel, vom Falkner aufgepäppelt wurde, zurück ins Nest kam und dann leider durch Parasitenbefall starb.

Bürgermeister Helm: „Das war für alle, die das Leben der Vögel live mitverfolgten, eine sehr emotionale Sache. Es war ein immer auch ein Spagat zwischen Verantwortungsgefühl und einem Eingriff in das Leben von Wildtieren. Wir haben letztes Jahr in die Natur eingegriffen, eine Barriere angebracht und so das Nest absturzsicher gestaltet. Eine einmalige Entscheidung, die schon damals nicht leicht war, aber durch Expertenrat mitgetragen wurde.“

In diesem Jahr haben sich die geschützten Wildtiere allerdings einen anderen barrierefreien Nestplatz gesucht – abseits der Kameras und Ast-Sicherung. Helm: „Wir können so auch die Reaktionen der Uhus auf die Veränderungen nicht mehr minutiös beobachten wie im letzten Jahr. Mit Eingriffen müssen wir daher besonders vorsichtig sein.“

Schon zum dritten Mal zieht ein wildes Uhu-Paar seine Jungen auf der Königsteiner Burg auf, zweimal konnte das Brutgeschehen live auf der YouTube-Seite der Stadt Königstein verfolgt werden, dazu gab es einen Live-Chat und immer wieder tolle Aufnahmen aus dem Leben der Uhus.

Helm: „Auch wenn die Tiere in diesem Jahr kamerascheu sind, gehören sie zur Burg. Es sind Wildtiere, die wir nicht beeinflussen können. Das macht ja auch die Faszination aus.“

Im Fall, dass die Burg bei fallender Corona-Inzidenz wieder geöffnet wird, sollten Besucher*innen immer besondere Rücksicht auf alle brütenden Tiere auf der Burg nehmen. Das gilt für die prominenten Uhus, aber genauso für viele andere Vogel- und Tierarten, die die alte Ruine im Frühling zu Aufzucht ihrer Jungen nutzen.