Königstein im Taunus

Jugend, Gesundheit und „Glück im Glas“

Archiv-Ausstellung zum 180. Geburtstag von Johann Weck  

Das Einwecken hat Konjunktur. Die Lust am Selbermachen gepaart mit bewusster Ernährung und nachhaltiger Lebensführung rücken das Einkochen von Obst und Gemüse wieder in den Fokus – und damit Johann Weck. Denn die seit über einhundert Jahren beliebten und bewährten Weckgläser mit der eingeprägten Erdbeere verdanken wir ebenso wie ihre Bezeichnung dem Schneidhainer Johann Weck. Er wurde in dem heutigen Königsteiner Ortsteil am 8. Juli 1841 geboren.


Stadtarchivarin Dr. Alexandra König erinnert in einer Ausstellung an den Jubilar und lenkt den Blick auf dessen besondere Motivation. Die lag schon damals auf dem Aspekt der gesunden Lebensführung. Weck selbst war begeisterter Vegetarier und sah im Einkochen eine Möglichkeit, nahrhafte Früchte für jedermann lange frisch zu halten.

So steht sein Name heute als Synonym für das Einkochen im Duden, dabei hat Weck die Methode gar nicht erfunden. Diese Ehre gebührt dem Chemiker Rudolph Rempel. Nach dessen frühem Tod war es jedoch Weck der die Rechte erwarb und die Einkochgläser und das nötige Zubehör vermarktete.

Schon zu seinen Lebzeiten traf er damit den Geist der Zeit. Lebensreform heißt das Stichwort unter dem sich die unterschiedlichsten Bewegungen zusammenfassen lassen, die sich als Gegenbewegung zur damaligen Industriealisierung mit all ihren negativen Folgen formierten.

Von der Gartenstadt über die Freikörperkultur bis zu pädagogischen Konzepten der Waldorf-Schulen reichte das Streben nach besseren Lebensweisen im Geiste von Jugend, Gesundheit und Natur. Verbindens Element war der Vegetarismus. Es wurden neue Produkte entwickelt von der Margarine über den vegetarischen Suppenwürfel bis zu Kellogg´s Cornflakes – und hier reiht sich auch Weck mit seiner „Frischhaltung“, den Einkochgläsern und dem Zubehör ein, die Obst und Gemüse über das ganze Jahr verfügbar machten.

Die Ausstellung stellt den Gründer Johann Weck vor und macht mit dessen Neffen Franz Josef bekannt. Letzterer unterstützte sein Heimatdorf Schneidhain noch beim Bau der Hochdruckwasserleitung, als er selbst schon als wohlhabender Geschäftsmann in der Schweiz lebte. Auch dieser Weck setzte sich für gesunde Lebensführung ein und begründete ein erstes Naturschutzgebiet.

Die Ausstellung in der Stadtbibliothek Königstein stellt mit Texttafeln und anschaulichem Bildmaterial, ergänzt um einige Artefakte Johann Weck und das Klima seiner Zeit vor mit dem damals wie heute aktuellen Wunsch nach einem gesunden und naturnahen Leben.

Der Besuch ist während der Öffnungszeiten der Bibliothek unter Beachtung der Corona-Bestimmungen möglich, der Eintritt ist frei.