Königstein im Taunus

Königsteiner Burgpflegewerk

Ein Wegweiser für die Zukunft

 

Es ist eine Premiere, die es so in Deutschland noch nicht gab: Das Burgpflegewerk für die Königsteiner Burg ist fertig. Es ist ein 530 Seiten umfassenden dreiteiliges Werk geworden, dazu gibt es einen einstündigen Film, der auch auf der Königsteiner Homepage und dem städtischen YouTube Kanal veröffentlich ist. Dazu gibt es einen Abschlussband, der bei der Stadt Königstein erhältlich sein wird.


Mit dem Burgpflegewerk ist die Stadt Königstein Vorreiter für einen neuen, ganzheitlichen Ansatz in den Punkten Denkmalpflege und Naturschutz. Es geht um interdisziplinäre Zusammenarbeit von Naturschutz, Denkmalschutz und Nutzung der Ruine. Die Kosten beliefen sich auf rund 187.470 Euro.

 

Bürgermeister Leonhard Helm: „Wir haben hier einen neuartigen Leitfaden, wie Denkmalschutz und Naturschutz, die bislang oft im Konflikt miteinander lagen, miteinander zum Schutz der Burg zusammenwirken können. Unser Wahrzeichen muss in der Zukunft nachhaltiger und besser geschützt werden.“

 

Auch Gabriela Terhorst, ehrenamtliche Dezernentin für Grünpflege, ALK Stadträtin, streicht die Bedeutung des Werks heraus: „Das Burgpflegewerk hat Modellcharakter für viele Denkmale, die schützenswert sind, jedoch oft im scheinbaren Widerspruch mit ökologischen Aspekten stehen. Dabei läuft es oft auf die Entscheidung hinaus, entweder Denkmalschutz oder Naturschutz. Dass beides vereinbar ist, hat das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt über drei Jahre geförderte Projekt gezeigt.“

 

Bislang wuchsen Bäume, Sträucher und anderes mehr oder weniger kontrolliert auf dem Gelände und den historischen Mauern. Darunter fanden sich auch durchaus schützenswerte Pflanzen oder es entstanden Bereiche, in denen seltene Tiere siedeln, darunter schon im dritten Jahr das inzwischen weltberühmte Uhu-Paar.

 

Die Mauern wurden Heimat für eine dichte Flora und Fauna – ein Konflikt der für Naturschützer und Denkmalpfleger sehr schwierig ist. Durch das Burgpflegewerk kamen jetzt beide zusammen. Terhorst: „Eigentlich ist es klar, wer miteinander spricht, versteht den anderen besser. Beim von der DBU geförderten Burgpflegewerk, hat die Stadt Königstein alle Beteiligten endlich an einen Tisch gebracht. Das Ergebnis des drei jährigen Projektes, hat Modellcharakter für viele andere Denkmäler. Ein Pflegewerk und viele neue Erkenntnisse aus einem Guss, das nun die Grundlage für eine Prioritätenliste und die weitere Arbeit sein muss. Auch hier können weitere Fördertöpfe in Anspruch genommen werden.“

 

Die Dezernentin ist sicher: „Ökologie lässt sich mit Denkmalschutz vereinen. Ich denke schon, denn innerhalb der vergangenen drei Jahre, in denen viele Wissenschaftler und Vertreter des Naturschutzes, die Burg und ihre Umgebung auf Herz und Nieren untersucht haben, zeigte sich, welche Potentiale unser Königsteiner Wahrzeichen Nummer Eins, birgt.“

 

Das Burgpflegewerk ist folgendermaßen aufgebaut: ein Textband von 200 Seiten umfasst die Bestandsaufnahmen des Baudenkmals, der Flora und Fauna, die Feststellung sensibler Bereiche. Ein umfangreicher Katalog enthält aus 300 Seiten die erarbeiteten Pflegeziele und Pflegepläne mit Festlegungen von Maßnahmen.

 

Konkret heißt das: Es wurde erstmal ein Leitbild einer Minikulturlandschaft erarbeitet, das die Burgruine samt ihrer Flora und Fauna als Ensemble menschlichen Handelns begreift, die nur durch menschlichen Handelns sinnvoll erhalten werden kann, wie etwa eine Heidelandschaft, schreibt Dr. Gerd Strickhausen, dessen Büro in Zusammenarbeit mit dem Institut für Steinkonservierung und mit Förderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gearbeitet hat. Besonderes Augenmerk wird auf die Mauern gelegt. Strickhausen sieht als wichtigste Leitlinie, die im Burgpflegewerk genannt wird, die Erhaltung und Wiederherstellung von wertvollen Trockenstandorten. Das sind Lebensräume für wärmeliebende und trockenheitstolerante Arten. Eine weitere wichtige Leitlinie, nennt Strickhausen, auf Großmaßnahmen bei Pflege und Sanierung zu verzichten. Es sollten möglichst keine großflächigen Entholzungen, aber auch keine großflächigen Mauersanierungen vorgenommen werden.

 

Strickhausen empfiehlt: „Auf und an allen Mauern müssen der gesamte verholzende Bewuchs und junger Efeu regelmäßig und kontinuierlich, mindestens einmal pro Jahr beseitigt werden bis zum Absterben der Pflanzen. Nicht herausreißen.“ Nicht verholzender Bewuchs solle erhalten bleiben.

 

Zum Schutz frisch sanierter Mauerkronen wurden verschiedene Versuche durchgeführt. Dabei hat sich, so steht es im Burgpflegewerk die Ansiedlung von Moosen bewährt. Dies ist umfangreich in dem Abschlussband beschrieben. Ein Schritt wurde schon umgesetzt und hat in den Sommermonaten schon für tierische Besucher auf der Burg gesorgt. Es wird die Beweidung mit Ziegen als gute Pflegemaßnahmen empfohlen und diese Tiere sind bereits mehrfach im Einsatz gewesen.

 

Bürgermeister Leonhard Helm: „Wir halten hier ein wichtiges Werk zum künftigen Umgang mit unserer Burg in der Hand, die auch für andere Burgen Wegweiser sein wird. Es ist kein Konzept zur technischen Sanierung der Burg, sondern eine wichtige Richtline, wie wir die technische Sanierung angehen können. Aktuell beauftragen wir daraus folgend aber auch Fachleute, die baulich notwendigen Schritte konkret zu planen. So schaffen wir eine Zukunft für unsere Burg.“

 

Den Abschlussband finden Sie neben dem dazu gehörenden Film auf der städtischen Homepage unter der Rubrik Burg Königstein.