Königstein im Taunus

Ernste Vorwürfe gegen Speckpater Werenfried van Straaten

Stadt Königstein wird Hinweise überprüfen

 Die Zeit-Beilage „Christ und Welt“ und das katholische Internet-Portal katholisch.de berichten, dem Prämonstratenserpater und Kirche-in-Not-Gründer Werenfried van Straaten sei durch eine apostolische Visitation im Jahr 2009 posthum massives Fehlverhalten vorgeworfen worden. Bei den Vorwürfen handele es sich um einen Versuch der Vergewaltigung, um Anfälligkeit für faschistoide Ideen, um Maßlosigkeit in der Lebensführung sowie um erhebliche Defizite in der Personalführung, sagte der damalige Visitator, der Paderborner Weihbischof Manfred Grothe in seinem Bericht.

1981 bekam Pater Werenfried das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland und 2002 wurde er Ehrenbürger der Stadt Königstein. Am 31. Januar 2003 verstarb er in Bad Soden.

 

Bürgermeister Leonhard Helm: „Insbesondere die ersten beiden Vorwürfe sind schwerwiegend, auch gegen einen Mann, der eine beachtliche Lebensleistung im Dienst der Nächstenliebe erbracht hat. Die Stadt Königstein nimmt die Veröffentlichungen sehr ernst, kann sich aber auf der heute bekannten Faktenbasis kein abschließendes Urteil erlauben. Auch posthum müssen insbesondere die schwerwiegenden Anschuldigungen zunächst geprüft und hieb- und stichhaltig belegt werden, damit wir als Stadt aktiv werden können.“

 

Die Stadt Königstein, in der der volksnahe sogenannte „Speckpater“ in einem Denkmal verewigt und ein Platz nach ihm benannt ist, will daher nun den Hinweisen genauer nachgehen. Stadtarchivarin Dr. Alexandra König soll sich mit dem Fall befassen und auch bei der Kirche um Auskunft bitten. Helm: „Noch sind die Erkenntnisse für uns zu neu, um direkt Schlüsse zu ziehen, doch muss man beim Bewahrheiten der Vorwürfe als Stadt sicher Konsequenzen ziehen.“

 

Der 1913 geborene Niederländer Werenfried van Straaten setzte sich nach dem zweiten Weltkrieg für die Aussöhnung mit den Deutschen ein und forderte seine Landsleute zur Hilfe für Heimatvertiebene aus den Ostgebieten ein. Er brauche kein Geld, er verlange Speck, schrieb er 1947. Denn von Geld könne er in Deutschland nichts kaufen.

 

1947 gründete er „Kirche in Not“, die auch heute als Päpstliche Stiftung in vielen Teilen der Welt hilft. Schwerpunkt ist die pastorale Hilfe für verfolgte, bedrängte und notleidende Christen in rund 140 Ländern.