Königstein im Taunus

Erstes Branchentreffen im HdB - Digitalisierung als größte Chance für den Königsteiner Einzelhandel in der Innenstadt

Die Stadt Königstein lud jetzt zum ersten Branchentreffen des Königsteiner Einzelhandels in das Haus der Begegnung ein. Der städtische Wirtschaftsförderer Jörg Hormann hatte namhafte Experten aus dem Bereich Handel und E-Commerce auf die Bühne geholt, um den Händlern der Kurstadt die Möglichkeit des Austausches zu geben und neue Impulse für die Zukunft mitzugeben. Digitalisierungs-Profi und Buchautor Andreas Haderlein, Jungunternehmer Timo Schwinn von MyLocalCity waren auf der Bühne, Michael Reink vom Handelsverband Deutschland aus Berlin per Videoübertragung zugeschaltet.

Bürgermeister Leonhard Helm bei seiner Begrüßung: „Die Stadt möchte alles aufrecht erhalten, damit Handel und Gewerbe überleben. Wir wollen die Stärken bewahren, erfahren wo wir besser werden müssen.“

„In den Punkten Flair, Grünanlagen und Aufenthaltsqualität stehen wir nach der aktuellen Studie Vitale Innenstädte gut dar.“, sagte Wirtschaftsförderer Jörg Hormann. Er stellte zuerst die Studie Vitale Innenstädte 2020“ vor, an der Königstein erstmalig teilgenommen hatte. Darin waren konkrete Ergebnisse abzulesen, wie das Kund*innenverhalten in Königstein aussieht. Hormann: „Auch im Bereich Sicherheitsgefühl können wir Punkten. Nicht gut stehen Stadt und Akteure beim Punkt digitale Sichtbarkeit und Erreichbarkeit dar, hier gibt es Potentiale.“ 

Michael Reink, Bereichsleiter Verkehrspolitik und Standortentwicklung beim Handelsverband Deutschland kennt die gesamte Branche genau und nannte erschreckende Zahlen: „Zwischen 80.000 und 120.000 innerstädtische Betriebe könnten

als Auswirkung auf verändertes Einkaufsverhalten und die Pandemie verschwinden.“ Schätzt die Branche. „In den Konsequenzen wird der durch Leerstand entstehende Leerstand, der induzierte Leerstand, eine der größten Herausforderungen für die Städte.“ Durch diese Entwicklung ist nicht zuletzt sogar die Versorgung der Bevölkerung gefährdet, „zum Teil muss das System der zentralen Orte künftig hinterfragt werden.“ 

Um diesen Szenario entgegen zu wirken, sieht Digitalisierungs-Experte Haderlein eine Chance für den lokalen Einzelhandel in der Strategie als lokaler Händler sichtbar im Internet zu werden: „Digitale Plattformen erhöhen die Online-Präsenz von jedem teilnehmendem Betrieb. Die Suchmaschienenoptimierung und Positionierung der Plattformbetreiber ist durch Einzelunternehmen nicht zu leisten.“

Für ihn ist klar: Städte, die schon vor Corona in digitale Plattformen investiert hätten, stünden heute in der Pandemie deutlich besser da und hätten bessere Überlebenschancen. Das heutige „Click und Collect“ hätten einige schon lange vor Corona etabliert und deshalb keine Anlaufschwierigkeiten mehr gehabt. 

Besonders wichtig schien, die Verfügbarkeit von Waren im Netz sichtbar zu machen. Haderlein: „Die jungen Menschen suchen zum Beispiel im Internet ‚Adidas Schuhe Königstein‘, wenn dann nichts angezeigt wird, bestellen sie bei Amazon. Wenn es etwas vor Ort gibt, hat man als Händler die große Chance, dass sich die Kunden auf den Weg machen. Denn das Shopping-Erlebnis möchten sie auch.“ 

Als eine mögliche Lösung für Königstein sieht Wirtschaftsförderer Hormann die Idee des Unternehmers Timo Schwinn, von der Agentur Vinoma aus Bad Soden, der gerade eine lokale digitale Plattform entwickelt hat und den Königsteinern schon durch das Lastenfahrrad und die Pandemie-Plattform Stayhome-Lieferanten bekannt ist. „Digitale Plattformen deutschlandweit zeigen zwei positive Herangehensweisen, die Kooperation mit einem großen, erfahren Anbieter oder die Kooperation mit so genannten Lokalpatrioten auf regionaler Ebene. Die Plattform MyLocalCity kann eine Option für Königstein sein.“ 

Hormann möchte nun bei den Einzelhändlern nochmal nachfragen, welche Lösungen sie für möglich halten. Der Wirtschaftsförderer sagte: „Der Abend hat deutlich gezeigt – und da sind sich alle Experten einig: Alleine kommt niemand durch die Krise. Es bedarf der Kooperation der Händlern untereinander und der Stadt. Nur gemeinsam können wir das Sterben der Läden in den Innenstädten verhindern!“