Königstein im Taunus

Magistrat lässt Verkehrsdrehung weiter ausarbeiten

Mit der Innenstadt hat die Stadt Königstein Großes vor. Lange musste der Umbau rund um den Parkplatz nun pausieren, da die Frage der Verkehrsführung für die Busse nicht geklärt war. Die nun vorgelegte Verkehrsuntersuchung bringt mehr Klarheit. Dennoch müssen viele weitere Aufgaben gelöst werden. Hier geht der Magistrat mit seinen aktuellen Beschlussfassungen nun einen großen Schritt weiter: Ein Planungsbüro soll gefunden werden, das die Variante „Verkehrsdrehung“ weiter ausarbeitet und gemeinsam mit einem Freiflächenplaner und einem Architekten einen Entwurf für die Stadtmitte erarbeiten soll.


Viel Arbeit der Stadtverwaltung ist schon in die Planung geflossen, seit der Magistrat im Dezember 2018 seine Neugestaltung der Stadtmitte rund um die Konrad-Adenauer-Anlage unter dem Motto „Vom Parkplatz zum Platz im Park“ vorgestellt hat. Der schwierigste Punkt bei diesem großen Projekt ist die Verkehrsplanung. Diplom-Ingenieur Claas Behrendt vom Verkehrsplanungsbüro IMB-Plan, der sich seit viele Jahren mit der Verkehrsplanungen in der Innenstadt beschäftigt, hatte zuletzt über den aktuellen Stand im Bauausschuss berichtet und vier Varianten als mögliche Lösungen vorgestellt. Im Königsteiner Rathaus haben nun Bürgermeister Leonhard Helm und die Mehrheit im Magistrat entschieden, dass die Richtungsdrehung Basis der Planung werden soll.

 

Fachbereichsleiter Planen und Bauen Stefan Bouillon: „Das ist ein großer Schritt voran, denn die ganze Planung der Innenstadt ist abhängig vom Verkehr. Erst wenn klar ist, wie der Verkehr fließt, kann die Planung weiterer Aspekte wie Parkgestaltung, Parkplätze, Pavillon erfolgen. Dazu wurden nach fachlichen Vorgaben Verkehrsmessungen durchgeführt, die die Anzahl der Autos und Busse zu den unterschiedlichsten Zeiten erfasst haben. Wartezeiten der Busse wurden aufgenommen, Bustaktungen analysiert und das alles über mehrere Zeiträume hinweg. Es gibt hier keine kleine Momentaufnahme, sondern eine weiterentwickelte gründliche Verkehrsanalyse für die Königsteiner Innenstadt.“

 

Verkehrsplanung vergibt die Stadt in der Regel nach außen. Die Stadtverwaltung ist zwar fachlich sehr gut aufgestellt: Aktuell arbeiten im Fachbereich Bauen insgesamt 11 akademisch ausgebildete Mitarbeiter aus den Fachrichtungen Geographie, Biologie, Städtebau, Architektur, Garten- und Landschaftsbau, Hochbau und Tiefbau. Unterstützt werden sie durch anderweitig gut ausgebildete Fachkräfte aus dem eigenen Fachbereich und Akademikern aus anderen Bereichen der Verwaltung, von der Juristin bis zur Historikerin. Im Fachdienst Planung, so dessen Leiterin Sonja Kupfer, werden aktuell aber zugleich auch 13 Bebauungspläne bearbeitet, parallel dazu mussten selbst unter Corona 80 Bauanträge bearbeitet und drei städtische Satzungen über- oder ausgearbeitet werden.

 

Die beiden Tiefbauingenieure sind für alle Maßnahmen an den städtischen Straßen zuständig. Von Erhaltungsmaßnahmen über Neuplanungen bzw. Betreuung als Bauleiter vor Ort, bei der Erstellung von neuen Straßen, zum Beispiel Am Kaltenborn oder Am Hardtberg. „Zusätzlich auch noch Verkehrsanalysen zu erstellen, ist für die Mitarbeiter der Verwaltung zeitlich gar nicht möglich“, sagt Stefan Bouillon, der Leiter des Fachbereichs. Außerdem fehle im Rathaus für diese spezielle Aufgabe auch die technische Ausstattung, die müsste extra gekauft werden. „Es ist mehr als sinnvoll hier ein spezialisiertes Fachbüro zu beauftragen. Denn auch wenn es in Königstein offenbar fast so viele Straßenbauplaner gibt wie bei der Fußball-WM Bundestrainer, solche Aufgaben sind viel komplexer als es auf den ersten Blick scheint und sollten von den echten Spezialisten übernommen werden,“ ergänzt der Fachdienstleiter des Straßenbaus, Joachim Helsper.

 

Bürgermeister Helm: „Der Blick von außen hat sich bei solchen Projekten bewährt. Da kann eine Situation neutraler bewertet werden. Von Herrn Behrendt bekommen wir einen unabhängigen Kennerblick von außen, denn das Büro hat schon häufig in Königstein gearbeitet und ist in keiner Weise ortsfremd. Das sehe ich als Vorteil.“

Und auch der für die Grünanlagen zuständige Fachdienstleiter Gerd Böhmig freut sich auf einen qualifizierten Vorschlag für die verbesserte Gestaltung der Konrad-Adenauer-Anlage. Hierfür wird ein anderes Fachbüro die Verantwortung tragen. „Die Ideen haben wir gemeinsam mit dem Magistrat und den Stadtverordneten gesammelt - jetzt muss das in eine detaillierte Planung einfließen, für die das Alltagsgeschäft keinen Raum lässt - insbesondere in diesem Jahr, das uns mit Sturm- und Wasserschäden in den Grünflächen auf Trab hält.“

 

Nach eingehenden Beratungen hat sich der Magistrat für die von den Ingenieuren vorgeschlagene „Variante 3a“ entschieden. Fachbereichsleiter Bouillon begründet: „Diese löst die entscheidenden verkehrstechnischen Probleme und greift am wenigsten in die bestehende Parkanlage ein. Damit eröffnet diese Variante die größten Chancen bei der Neugestaltung der Innenstadt.“ Bürgermeister Helm ergänzt: „Die jetzt gewählte Variante ist ein gute Kompromiss aus der effektiven Abwicklung des für den Klimaschutz so wichtigen Busverkehrs an dem neuralgischen Verkehrsknoten und einer schönen Gestaltung dieses für die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt so bedeutenden Areals. Wir können hier aber natürlich nur eine Planung erarbeiten. Die endgültige Entscheidung treffen die Stadtverordneten.“