Königstein im Taunus

Prozession auf den Romberg

Die Prozession auf den Romberg am Pfingstmontag ist eine alte, wertvolle Tradition des gesellschaftlichen Lebens in Königstein. Die Stadt lässt dazu den Weg, der nach dem Sturm der letzten Woche vielfach blockiert ist, kurzfristig wieder begehbar machen - zumindest im „Gänsemarsch“. In diesem Jahr kann die Prozession von der katholischen Kirchengemeinde wegen der Corona-Pandemie nicht in der gewohnten Form durchgeführt werden. Die Kirchengemeinde legt den Gläubigen nahe, an den Pfingsttagen dennoch einzeln zum Romberg zu wallfahren.

Bürgermeister Leonhard Helm begrüßt das sehr: „Als Königstein im Jahr 1349 von der Pest heimgesucht wurde und in unserer Stadt innerhalb weniger Monate mehr als 600 Menschen starben, kamen die Menschen in ihrer Bedrängnis auf den Romberg, sie bauten dort eine Kapelle. Der Platz am Romberg wurde für die Königsteiner zur Wallfahrtsstätte, an der sie Trost und Hilfe fanden. Gerade in diesem Jahr kann die Prozession am Pfingstmontag für viele Menschen eine ganz besondere Bedeutung haben. Vertrauen auf Gottes Hilfe und daraus erwachsende Zuversicht und Trost sind in Corona-Zeiten für uns Christen unverzichtbar. Deshalb dürfen wir das alte Gelöbnis nicht vergessen.“

 Bürgermeister Helm kann die Faszination des Platzes auf dem Romberg gut verstehen. „An Pfingsten im frühen Morgenlicht verspürt man die Besonderheit dieses stimmungsvollen, spirituellen Ortes. Ich spüre, warum Menschen hier von jeher, selbst in vorchristlicher Zeit, göttliche Kraft wahrnahmen. Gerade die heutige Krise kann uns Anlass sein, nicht nur die Tradition weiter zu pflegen, sondern auch diese Kräfte der Schöpfung in uns aufzunehmen.“ 

 Aber Prozessionen an Orte des Glaubens sind nicht nur ein ganz persönlicher Akt des Einzelnen. Sie sind auch ein Zeichen der Stärke einer Gemeinschaft. „In der Pandemie distanzieren wir uns räumlich, wir geben uns nicht die Hand und fallen uns nicht in die Arme - umso wichtiger ist deshalb eine innere Verbindung zwischen den Menschen. Das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein, schwere Zeiten gemeinsam durchleben zu können, kann auch unter Einhaltung der Abstandsregeln aufkommen. Gemeinsam früh morgen aufstehen, gemeinsam einen Weg gehen, gemeinsame Gebete sprechen - das verbindet und gibt Kraft.“

 Deshalb lädt der Bürgermeister die Königsteiner ein, mit ihm am Pfingstmontag vom Georg-Pingler-Brunnen in der Kirchstraße um 6 Uhr morgens zum Romberg zu wandern. „Lassen Sie uns unter Wahrung der Corona-Regeln diesen Weg gehen, gemeinsam, mit Abstand, wer will auch mit zeitlichem Abstand, wenn nötig mit Masken, ohne den Gesang und die lauten Gebete einer Prozession - aber im Geist verbunden mit Gott, miteinander und mit den Generationen, die diesen Weg vor uns gegangen sind. Und lassen sie uns so das Gelöbnis der Prozession erneuern, das unsere Vorfahren abgegeben haben. Dann bin ich sicher, wir werden diesen Weg auch wieder als Prozession aufnehmen können, wenn die Krise überwunden ist!“