Königstein im Taunus

Ausrufung der Wasserknappheit:

Bevölkerung einsichtig – dennoch keine Entwarnung

In der vergangenen Woche musste am Donnerstag, den 6. August, die Wasserknappheit nach Gefahrenabwehrverordnung für Königstein und alle Stadteile ausgerufen werden. Die Feuerwehr ist durch die Kurstadt gefahren und hat die Bevölkerung aufgerufen, Wasser zu sparen, Außenflächen nicht mehr zu beregnen. Die positive Nachricht: Sehr viele Bürger halten sich daran, füllen keinen Pool mehr, haben die Rasenberegnung eingestellt, sparen das kostbare Trinkwasser.

Auch die Stadt hat die Bewässerung öffentlicher Flächen eingestellt oder reduziert. Zusätzlich wurden Mähintervalle erhöht, um Grünflächen mehr Möglichkeiten der eigenen Regeneration und Widerstandskraft zu ermöglichen.

Wie es zur Wasserknappheit kommt, verdeutlichen die Verbrauchszahlen deutlich: Der normale Verbrauch in Königstein beläuft sich auf 2000 bis 2500 Kubikmeter pro Tag, im Sommer sind es meistens 3000 Kubikmeter. Doch im Moment wird selbst dieser Wert deutlich überschritten. Laut Wasserwerk waren es am Donnerstag, 06.08.: 4500 Kubikmeter; am Freitag, den 07.08.: 3900Kubikmeter, am Samstag, den 08.08.: 3500; am Sonntag, den 09.08: 3100 Kubikmeter.

Das größte Problem ist der Stadtteil Falkenstein in der Nacht. Peter Günster von den Königsteiner Wasserwerken: „Ein einzelner Verbrauch war in der Nacht höher als Durchschnittsverbrauch einer Person im gesamten Jahr“

Eigentlich verfügt Falkenstein über eine eigene Wasserversorgung, die viele Jahrzehnte ausreichte. Um 1900 wurde der Neuwald-Stollen auf dem Feldberg gebaut, um den Stadtteil mit ausreichend Trinkwasser zu versorgen. Doch in den vergangenen Jahren stieg der Verbrauch so stark an, dass in den letzten Jahren immer wieder Wasser aus der Kernstadt Königstein hochgepumpt werden musste.

 Grundsätzlich ist Königstein gut aufgestellt bei der Wasserversorgung. In letzten 20 Jahren wurde der Fremdwasseranteil von 20 % auf 7-10 % reduziert. Die Kurstadt hat 90 % Eigenversorgung und liegt damit an der Spitze im Hochtaunuskreis. Günster: „Aus 7 Brunnen, 4 Stollen, 2 Schürfungen werden rund 800.000 Kubikmeter Wasser im Jahr gefördert und in 7 Hochbehältern, 5 Aufbereitungsanlagen der Bevölkerung zugänglich gemacht. Dabei könnte sich Königstein in guten nassen Jahren sogar komplett selbst versorgen. Seit 2018 ist die Situation wegen der fehlenden Regenfäll nicht mehr gegeben.“

 Es muss jetzt Fremdwasser über den Wasserbeschaffungsverband Taunus zugekauft werden. Das sind normalerweise laut gemeldeten Mengen 500 Kubikmeter am Tag. Aktuell sind es 1100 Kubikmeter. „Diese Wassermenge kann Königstein auf Dauer nicht zukaufen, warnt der Verband. Auch weitere Gewinnungsanlagen können mit Blick auf bestehende Wasserrechte nicht einfach gebaut werden. Das Regierungspräsidium ist für die Verteilung zuständig und muss die Gesamtwasserstände für die gesamte Region im Blick haben. Der Bedarf ist in diesen Zeiten überall vorhanden.

 Wasserwerk-Mitarbeiter Günster:  „Das Fremdwasser ist nicht ganz gut wie das Königsteiner Wasser. Das Königsteiner Wasser hat die beste Qualität, ist weicher. Je mehr zugekauft wird, desto mehr werden das die Bürger merken, zum Beispiel an erhöhten Kalkablagerungen.“

Entwarnung ist nicht in Sicht. Die Wetterlage mit geringem Niederschlag und warmen Temperaturen bleibt. Angesagte Gewitter und Unwetter helfen für Wassergewinnung in keiner Weise, da die trockenen Oberflächen in kurzer Zeit nur wenig oder gar kein Wasser aufnehmen können.

Bürgermeister Leonhard Helm richtet daher einen dringenden Appell an die Königsteiner: „Bitte halten Sie sich an die Angaben und unterlassen Sie das Sprengen der Rasenflächen, befüllen der Gartenpools. Es geht um die Versorgung mit kostbarem Trinkwasser.“

Bürgermeister Helm und der 1. Stadtrat Jörg Poeschl sind sich einig: „Wir sind bereit auch hart durchzugreifen und mit optischen und technischen Mitteln die Einhaltung zu überwachen. Wir sind auch gewillt, Bußgelder zu verhängen.“

Das kann laut Verordnung bis zu 5.000 Euro kosten

Stadtrat Pöschl: „Das Problem wird in kommenden Jahren nicht kleiner, wir diskutieren schon jetzt in den verschiedenen Wasserverbänden, wie alle Haushalte zuverlässig mit Trinkwasser versorgt werden können. Am Ende bleibt es auch eine Aufgabe der übergeordneten Politik, die Weichen für die Zukunft zu stellen.“