Königstein im Taunus

Die Königsteiner Uhus - Zwei Jungvögel fallen aus dem Nest

Dramatische Ostertage bei den Königsteiner Uhus auf der Burg. Zwei Uhu-Junge, von drei geschlüpften Jungvögeln, fielen am Osterwochenende aus dem Nest. Das kleinste Junge überlebte den Sturz aus acht Metern Höhe leider nicht. Das zweite mußte gleich zweimal gerettet werden und wird nun vom Falkner Christian Wick von der Falknerei Falkenhof auf dem Feldberg betreut.

Die drei Jungvögel waren vor weniger als drei Wochen geschlüpft, können noch nicht fliegen und müssen von den Uhu Eltern ständig mit Futter versorgt werden. In der Nacht zum Ostersonntag fiel das jüngste und ein weiteres Junge aus der Nische in der Königsteiner Burgruine. Das mittlere, am 27. März geschlüpfte, Vogeljunge hatte gerade Futter von der Uhu-Mutter bekommen und sich damit zu weit an die Kante der Nische vorgewagt. Es verlor plötzlich den Halt und stürzte hinab. Das Jüngste fiel aus unbekannten Gründen direkt hinterher. Wenig später brachte die Mutter das leblose Kleinste zurück ins Nest.

Nachdem der Königsteiner Bürgermeister Leonhard Helm von einem Uhu-Fan informiert wurde, eilte er sofort zur Burg. Als er dort sah, dass das zweite Jungen noch am Boden lag, aber atmete, verständigte er unmittelbar Falkner Wick, der sich in Windeseile auf den Weg machte. Der zweite Vogel hatte den Sturz überlebt und zeigte zum Glück keine Brüche oder sichtbaren Verletzungsspuren. 

Helm berichtet: „Ein Mitarbeiter des Betriebshofs brachten am frühen Ostermorgen eine große Leiter, sein Chef holte schnell frisches Stroh aus seinem Bauerhof, mit dem wir künftige Stürze abpolstern wollten.“ Der Falkner stieg die Leiter hoch, die Vogelmutter flog allerdings sichtlich aufgeregt davon. Der Greifvogelexperte setzte das überlebende Junge zurück ins Nest. „Die besten Methode damit es überlebt, ist, wenn es weiterhin von der Mutter gefüttert wird“, sagt er. „Das sollte zuerst versucht werden, bevor man den Vogel mitnimmt.“ Der Falkner barg bei dieser Gelegenheit auch das leblose Junge aus dem Nest. Leider konnte er zurück am Boden nur noch dessen Tod feststellen.

Dann kamen dramatische Stunden des Wartens, ob die Mutter wieder zum Nest zurückkommt oder ob der Zwischenfall sie in die Flucht geschlagen hatte. Zum Glück war sie am Abend wieder da, und sie untersuchte das wieder eingesetzte Junge zart mit dem Schnabel, und fütterte es ein wenig. So ging der Plan des Falkners zunächst auf.

        

Am frühen Ostermontag wiederholte sich allerdings der Nischensturz mit dem am Vortag gerade geretteten Jungen. Bürgermeister Helm, der noch bei Dunkelheit mit den Fahrrad zur Burg fuhr, hatte einen Funken Hoffnung: „Vielleicht hat das Junge den Sturz dank des Strohs ohne große Schäden überstanden? Den Rettungsversuch war es wert, aber ich hatte Angst, dort das zweite tote Junge vorzufinden. Immerhin hatte es auch in der Nacht noch sehr geschwächelt.“ Im hohen Stroh fand er ein leblos wirkendes Junges, aber er sah, dass es noch atmete. „Dann hat es Sinn, der Falkner aus dem Bett zu klingeln, und ihn um Rat zu bitten.“

Zur Sicherheit transportierte er das Junge zunächst zu Fuß in einem mitgebrachten Korb nach Hause, und dann mit dem Auto zum Falkner. Dort wurde der kleine „Unglücksrabe“ nochmals untersucht und zeigte sich überraschend agil. Also ging es mit ihm zur Tierklinik, wo er bis gerade untersucht wurde. Ab morgen soll er auf dem Falkenhof auf den Feldberg aufgepäppelt werden. Wick: „Er wurde in der Tierklinik untersucht und hat außer einem großen blauen Fleck keine besonderen Blessuren. Er ist munter und hat auch schon ordentlich gefressen.“

Der Falkner hat damit jetzt vier Jungvögel, die neben den anderen Greifvögeln der bekannten Falknerei, aufgezogen werden müssen. Das ist in diesen Zeiten von Corona mehr als schwierig, da der Hof geschlossen ist und sämtliche Einnahmen durch Besucher und Veranstaltungen weggebrochen sind. Die Stadt Königstein will in jedem Fall die Patenschaft für „Ihren“ Uhu übernehmen. Helm: „Ohne den Falkner hätte auch das zweite Junge sicher nicht überlebt. Wir wollen den Falkenhof in der schwierigen Situation unterstützen und werden ihn natürlich für die tolle Arbeit vergüten.“

Seit Februar brütet das Uhu-Paar - übrigens schon im zweiten Jahr - auf der Königsteiner Burg. Eine große Uhu-Fangemeinde beobachtet von Anfang an die Nische mit den Uhus per Webcam über die städtische Homepage www.koenigstein.de. Infos zu Spenden für den Falkenhof finden sich auf der Website www.falknerei-feldberg.de

Das Video des Neststurzes und der Rettungsaktion findet sich hier.