Königstein im Taunus

Letzter Ziegeneinsatz für dieses Jahr

Das Jahr 2019 neigt sich dem Ende, so auch die Arbeit auf der Königsteiner Burg. Auch das Burgpflegewerk geht in die letzte Runde.

Zum letzten Mal in diesem Jahr, haben die Ziegen um die Burg gegrast, nachdem sie erfolgreich im Innenbereich gemäht haben. Die Tiere haben unter anderem den Brunnenbereich an der großen Festwiese wieder sichtbar gemacht, der komplett überwuchert war.
Nun arbeiteten sie sich noch einige Tage auf festgelegten Flächen durch die immer wieder aufwachsende Pflanzendecke. „An einigen Stellen ist die lichte Struktur an den Mauern und im angrenzenden Wald bereits zu erkennen und das ist gewünscht. Nur so wird es an den Mauerfüßen trockener, seltene Tiere und sonnenliebende Pflanzen können sich ansiedeln. Auch der Samenanfall auf den Mauerkronen und den Mauerwänden könnte auf diese Weise eingedämmt werden. Denn ein, im wahrsten Sinne, gewichtiges und schwer zu beseitigendes Problem sind die kräftigen Gehölze, die sich inzwischen in den Fugen und auf den Kronen der Mauern eingenistet haben“, erläutert Gabriela Terhorst, die als ehrenamtliche Dezernentin von Stadtseite das Burgpflegewerk begleitet.

Zusätzlich kamen den Vierbeinern die Zweibeiner zur Hilfe. Auf einem Hubsteiger rückten Mitarbeiter einer Fachfirma den hartnäckigen Bäumchen und Sträuchern in luftiger Höhe zu Leibe. Die Wurzeln der Gehölze und leider auch des Efeus wurden durch jahrelanges ungestörtes Wachstum oder durch ständiges Schneiden kräftiger und drückte sich immer tiefer in das Gemäuer. An der West- und der Südseite der Burg wurden daher vier Hubsteigerplätze eingerichtet, um schnell und sicher den Bewuchs in größerer Höhe Einhalt zu gebieten. Dabei wurden leider auch neue Schäden entdeckt.

„Um die Mauerkronen zu schützen, wurden im Rahmen des von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Burgpflegewerkes mit unterschiedlichen Mörtel Substraten und Moosen experimentiert. Hier haben sich über die vergangenen zwei Jahre interessante Erkenntnisse ergeben, die nun in die weitere Umsetzung gehen und als Beispiel für andere Burgen und historische Gebäude dienen können“, erklärt der Projektleiter Dr. Gerd Strickhausen vom Burgenbüro Dr. Strickhausen.

Lehrveranstaltungen der Hochschule Rhein-Main haben sich für die Burg als Glücksfall erwiesen. Mit umfangreichen Vermessungen des Pulverturms und des Ostzwingers konnten die Studierenden nicht nur üben, sondern sie haben in Bauschadensgutachten gleichzeitig auch Vorschläge für anstehende Sanierungsmaßnahmen gemacht. Bauschadenskartierungen runden die Arbeiten ab. Eine Win-Win-Situation für Stadt und Hochschule.

Eine Fachfirma, die gleichzeitig regionaler Partner für zertifiziertes Saatgut ist, das speziell in unserer Region gedeiht - mit dem Unternehmen arbeitet die Stadt auch bei dem Projekt Blühwiese am Kurbad zusammen - hat die Flächen rund um die Burg an den Mauerfüßen unter die Lupe genommen. Hier gilt es nachhaltig zu entwickeln und zu begrünen.

Bleibt der Ausblick auf das Jahr 2020. Eine große Fachtagung, die am 13. Mai 2020 im HdB stattfinden wird, rundet das dreijährige Projekt ab. Die ganztägige Veranstaltung wird in Fachbeiträgen und bei einer Exkursion auf die Burg die Erkenntnisse beleuchten. Ein Tagungsband wird die gewonnen Informationen zusammenfassen und weitere Handlungsempfehlungen geben. Das Burgpflegewerk ist das erste seiner Art, das denkmalspezifische und ökologische Ansprüche gleichermaßen betrachtet und damit ein gutes, erfolgreiches Beispiel dafür ist, dass es gemeinsam besser funktioniert als gegeneinander. Zudem wird es übertragbar auf ähnlich geartete Fragestellungen anderer Burgen, Kirchen und historisch wertvoller Gebäude sein.