Königstein im Taunus

Kleine Kita-Mäuse auf der großen Burg

Kurz vor Ostern startete die Mäusegruppe der Schneidhainer Kita Purzelbaum zu ihrem diesjährigen Ausflug. Das ganze Kindergartenjahr beschäftigten sich die Kleinen nun schon mit dem Thema „Märchen“. Was lag da näher, als das Wahrzeichen Königsteins zu besuchen, die Burgruine der Stadt.

Gleich am Morgen ging es mit den Erzieherinnen und einigen unterstützenden Eltern los; im Rucksack neben dem Frühstück auch jede Menge Vorfreude auf einen so ganz anderen Kindergartentag. Am Bahnhof Schneidhain wurde gemeinsam in den Zug Richtung Königstein eingestiegen. Das war für so manch einen Knirps von drei, vier oder fünf Jahren die erste Zugfahrt im Leben. So war es nicht verwunderlich, dass es ängstliche Blicke beim Ein- und Aussteigen gab, und erleichterte Seufzer, sobald die helfende Hand der Erzieherin in der Nähe war. Zur großen Freude aller Kinder galt es am Bahnhof Königstein dann aber noch umzusteigen in den Bus Richtung Stadtmitte. Hier bot Königstein mit seinen Steigungen und Kurven im Kreisel der kleinen Truppe eine aufregende Fahrt. Die Mäusegruppenkinder beantworteten jede Kurve mit begeisterten Jauchzern, und die meisten erwachsenen Fahrgäste quittierten diese ansteckende Fröhlichkeit mit lächelnden Gesichtern.

Nach solch einer tollen Busfahrt ging es zunächst zum Spielplatz im Kurpark. Hier wurde erst einmal bei strahlendem Sonnenschein, aber eisig kaltem Wind gefrühstückt. Gestärkt konnte der steile Fußweg zur Burgruine von den vielen kleinen Füßchen angetreten werden. Oben angekommen erwartete die Leiterin der Stadtbibliothek, Simone Hesse, bereits die kleine Schar, um die Gruppe mit vielen kindgerechten Informationen durch die Burgruine zu führen.

„Die Burg Königstein wurde vor über 800 Jahren erbaut“, erklärte Simone Hesse beim Durchwandern des Tores. „Wohnten hier denn auch Ritter?“ wollte ein aufmerksamer kleiner Zuhörer natürlich gleich wissen. Die Burgführerin erwiderte bereitwillig, dass verschiedene Burgherren und Ritter, zum Beispiel die Eppsteiner Ritter, hier wohnten und die Burg nach und nach immer mehr erweiterten. Sogar eine Entführung einer Grafenfamilie hatte hier einmal stattgefunden. „War es für die Ritter und Grafen hier immer so kalt wie heute?“, fragte bibbernd ein Mäusekind inmitten der zugigen Ruinen der Burg. Lächelnd erwiderte Hesse, dass die Burg im Gegensatz zu heute im 16. Jahrhundert zu Zeiten der Stolberger ein wahres Renaissanceschloss mit über 100 Zimmern war.

„Auf einer Burg ging es früher sehr lebendig zu“, wusste die Fachfrau. „ Da gab es einen Bäcker, einen Schmied zur Herstellung von Schwertern und Hufeisen, einen Schreiner, einen Müller und einen Küfner, der für die Herstellung von Weinfässern verantwortlich war. Und Lebensmittel wurden zum Frischhalten im Keller gelagert, schließlich gab es damals ja noch keine Kühlschränke“, erklärte Simone Hesse geduldig den aufmerksamen kleinen Zuhörern.

Bevor sich die Kinder der Kita Purzelbaum wieder fröhlich auf den Heimweg machten, überreichte die dankbare Truppe ihrer Burgführerin zum Abschied ein selbst gebasteltes Gespenst. „Das ist ja das kleine Schlossgespenst!“ freute sie sich. „Das wird in der Bücherei einen besonderen Platz bei den Kinderbüchern bekommen!“