Königstein im Taunus

Woogtalweiher-Sanierung beginnt im August

Die sehnlich erwartete Renaturierung des Woogtal-Weihers wird zum Ende der Sommerferien beginnen.

Zunächst müssen die technischen Voraussetzungen geschaffen werden, bevor der Abbauprozess des organischen Schlamms, der den Weiher inzwischen fast völlig ausfüllt, schließlich in Gang gesetzt werden kann.
Als die stinkende Brühe im Hitzesommer 2018 durch Ablassen des Woogtal-Weihers ausgeleitet wurde, war niemandem bewusst, welche Herausforderung die Sanierung des beliebten Weihers darstellt. Gerechnet hatte man mit der Entfernung unproblematischer mineralischer Ablagerungen wie Steinen, Kiese und Sand sowie organischen Schlamms aus dem Eintrag größerer Blattmengen der umstehenden Bäume. Als dann die chemische Analyse des Schlamms toxische Ammoniakverbindungen und Teerinhaltsstoffe (u.a. PAK) aufwies, stiegen die Arbeits- und Entsorgungskosten auf 450.000 €, die in der Folge die Sanierung hinterfragen ließen.

Gemeinsam suchten die Verwaltung und die Gruppe Woogtaldialog mit dem Magistrat nach bezahlbaren und nachhaltigen Lösungen. Nach dem Vergleich verschiedener Optionen hat man sich nun für folgende Maßnahmen entschieden, die zeitnah eingeleitet werden: Zunächst wird das unbelastete mineralische Sediment im oberen Teil des Einlaufbereichs des Woogtal-Weihers ausgebaggert. Gleichzeitig wird circa 180 Meter oberhalb des Weihers eine Mulde im Bachbett ausgehoben werden, die das in jedem Fließgewässer von der Strömung transportierte Gestein auffangen soll.
Als dritter Schritt wird im verschlammten Bereich des Weihers ein Belüftungssystem unsichtbar verlegt werden, das den Sauerstoffgehalt im Wasser erhöht. Auf diese Weise wird der organische Schlamm abgebaut und es kann angenommen werden, dass er voraussichtlich dabei circa 60 bis 70 Prozent seines Volumens verliert. Dieses Verfahren war u.a. auch im Maasgrund-Weiher in Oberursel mit Erfolg eingesetzt worden.

Nachdem der skizzierte Sanierungsablauf vom Magistrat, der Verwaltung und dem Woogtal-Dialog unterstützt wurde, waren nun die Einschätzungen und Genehmigungen der Unteren Wasser- und Naturschutzbehörde gefragt. In dem Fachgespräch während der Ortsbegehung in der vergangenen Woche wurden keine Einwände gegen die Maßnahmen in der geplanten Form erhoben. Der Sedimentfang im Bachbett wird so gestaltet, dass er kein Wanderungshindernis der Gewässerfauna darstellt. Es wurde vorgeschlagen, die sich dort angesammelten Gesteinsbrocken jeweils wieder im Uferbereich des Baches einzubringen.
Die für die Tierwelt im Wasser als Lebensraum notwendige lockere Gesteinsschicht ist in einigen Bereichen nur sehr gering ausgeprägt. Dieser Mangel ist der Verrohrung und denaturierten Streckenführung des Reichenbaches durch die bebauten Stadtgebiete geschuldet und besteht permanent. Die Verlagerung des Sediments hat somit zwei Vorteile: Die Verhinderung der Verlandung des Woogtal-Weihers und die ökologische Aufwertung der Bachabschnitte im Woogbach.Auf dem feuchten Grund des Woogtal-Weihers hat sich inzwischen durch den hohen Nährstoffgehalt eine Feuchtwiese etabliert. Diese wird gemäht und das Schnittgut entfernt werden, wodurch das Überangebot an Nährstoffen bereits etwas verringert werden kann.

Die letzte vorbereitende Maßnahme am Weiher selbst soll das Wasservolumen vergrößern. Um die Gefahr des Austrocknens in den heißen Sommermonaten zu verringern und kühlere Wasserbereiche für Fische zu schaffen, werden die unbelasteten Kiese und Steine aus dem Einlaufbereich des Weihers entnommen, zudem wird das Stauwerk am Auslass um 10 cm erhöht werden.
Durch diese jetzt veranlassten Maßnahmen wird auch der ursprünglich vorgesehene Kostenrahmen in Höhe von circa 150.000 € eingehalten. Die Summe setzt sich wie folgt zusammen:
Mineralische Sedimente ausbaggern: ca. 85.000 €
Belüftungssystem für den Weiher: ca. 45.000 €
Nebenkosten und Gutachten: ca. 20.000 €

Alle Akteure sind zuversichtlich, dass im Spätherbst der Weiher wieder eingelassen werden kann und dann wieder die Augen der Betrachter erfreut.

Zur Erläuterung:
Im heißen Sommer 2018 ist der Woogbach fast ausgetrocknet und konnte so den Weiher nicht mehr mit frischem Fließwasser versorgen und damit mit Sauerstoff speisen. Durch mineralischen Eintrag, (wie z.B. hauptsächlichh Blätter von den Bäumen am Ufer, aber auch von Wasserpflanzen sowie organische Hinterlassenschaften von Fischen, Enten), kippte sozusagen das Wasser im Weiher, da ohne jede Sauerstoffzufuhr, aber fortwährende Belastung der Boden des Weihers giftig wurde. Der Weihergrund wurde also toxsisch, weil es über Monate nicht mehr geregnet hatte, der Woogbach fast kein Wasser mehr führte, so den Weiher nicht mehr speisen konnte, der daraufhin zu einem stehenden Gewässer mit den unschönen Folgen wurde.
Wenn nun mit einem System Sauerstoff dem Wasser zugeführt wird, wird der organische Schlamm abgebaut, der faulige, belastete Schlamm in mineralisierte Feststoffe umgewandelt, was dann so prozessiert unbedenklich ist. Somit können dann auch wieder Fische und Enten gesund im Weiher leben. Alles steht und fällt allerdings mit der Wassermenge, die der Woogbach führt, um den Weiher mit Frischwasser zu speisen. Also mit dem bangen Blick nach oben gerichtet und mit der Frage, ob genug Regen fällt. Denn selbst wenn das Wasser mit Sauerstoff künstlich angereichert wird, braucht der Weiher den Woogbach als stetigen Frischwasser-Lieferanten.

Foto: Ein Bild aus vergangenen Tagen. Auch wenn inzwischen einige Pflanzen am Ufer entfernt worden sind, um den biologischen Eintrag ins Wasser zur reduzieren, soll es dennoch wieder so ähnlich schön und idyllisch werden.