Königstein im Taunus

Stadt legt Blühwiese für Insekten an

Die große Rasenfläche neben dem Kurbad Königstein wird zurzeit vom städtischen Betriebshof gepflügt. Aber warum? „Wir legen dort eine Blühwiese für Schmetterlinge, Wildbienen, Käfer und andere Insekten an“, erklärt Gabriela Terhorst, ehrenamtliche Gründezernentin der Stadt Königstein.

„Der Rasen muss zunächst untergepflügt werden, damit die Wildblumensaat eine Chance hat, sich gegen die Gräser durchzusetzen“, ergänzt Birte Sterf, Umweltbeauftragte der Stadt Königstein. Zusammen mit Gerd Böhmig, Fachdienstleiter für Grünflächen, und den Kollegen vom Betriebshof wandeln alle gemeinsam die Rasenfläche in einer Oase für Insekten um. „Dies ist nur der Anfang“, so Böhmig, „nach dieser Pilotfläche sollen noch viele weitere Umwandlungen und Pflegeextensivierungen erfolgen.“

Jeder kann das Insektensterben inzwischen beobachten. Es brummt und summt immer weniger in unserer Landschaft, in unseren Städten und Dörfern. Wer früher mit dem Auto fuhr, musste im Sommer ständig die Windschutzscheibe reinigen, tote Insekten klebten daran. Das gehört der Vergangenheit an - es gibt immer weniger Insekten. Vorletztes Jahr wurde das Ergebnis einer wissenschaftlichen Langzeituntersuchung veröffentlicht und sorgte für großes Aufsehen: In den letzten 27 Jahren ist die Menge an Insekten über 75 Prozent zurückgegangen. Laut einer aktuellen Studie verschwinden jedes Jahr weitere zwei Prozent der Insekten weltweit. In 100 Jahren könnten sie gänzlich ausgestorben sein. Die Gründe dafür sind vielfältig. Immer mehr Flächen werden versiegelt, ihre Lebensräume verschwinden, zahlreiche Pestizide schädigen die Tiere und in der intensivierten Landwirtschaft haben Insekten keine Chance mehr, zu überleben.
Aber ist das Insektensterben denn ein Problem? Keine Stechmücken mehr, keine nervenden Wespen – das ist doch nur von Vorteil, oder? Über 60 Prozent aller heute bekannten Tierarten sind Insekten. Sie sind für unsere Ökosysteme unverzichtbarer: Sie sind Lebensgrundlage für Vögel, Fledermäuse und viele andere Tierarten und erweisen auch uns Menschen unschätzbare Dienste. 90 Prozent aller Pflanzen sind auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen. Erdbeeren, Kirschen, Äpfel, Raps - ohne Hilfe der Bienen würde die Ernte deutlich geringer ausfallen oder gar ausbleiben. Wildbienen arbeiten dabei sogar besonders effektiv.

Was kann die Stadt Königstein für Insekten tun? Das fragten sich Gaby Terhorst und Birte Sterf und schlugen dem Magistrat vor, zunächst als Pilotprojekt eine Blühwiese für Insekten anzulegen. Bürgermeister Helm wusste auch sofort eine geeignete Fläche - der Rasen südlich des Kurbades oberhalb der Le-Cannet-Rocheville-Straße. Er wurde bisher als Rasen kurz gehalten und nicht genutzt. Alle Magistratsmitglieder waren sich einig: Die Umwandlung der Flächen südlich des Kurbades in eine Blühwiese für Insekten ist eine gute Idee.

Wie geht es nun weiter? Weil Gras konkurrenzstärker ist als die artenreichen Wildblumen und -gräser, muss der Rasen zunächst untergepflügt werden. Ende August bis Ende September werden dann Wiesen-Pippau, Heilziest, Gewöhnliches Ferkelkraut oder Kleiner Klappertopf und andere Wildblumen- und Gräser ausgesät. „Besonders wichtig ist dabei, dass es einheimische Blumen und Gräser sind, die natürlicherweise in unserer Region vorkommen“, so Birte Sterf, „denn viele Insekten haben sich auf einzelne heimische Pflanzen spezialisiert und können mit fremdländischen Blumen nichts anfangen.“ „In Zukunft wird die neu angelegte Fläche extensiv bewirtschaftet. Das bedeutet, dass sie nur noch zwei Mal im Jahr gemäht und das Mähgut abtransportiert wird. Wir haben dafür einen Landwirt gewonnen, der die entsprechenden Maschinen hat“, erklärt Dezernentin Terhorst. Das Mähgut darf nicht liegen bleiben, sonst würde die Wiese wieder nährstoffreicher werden und die Wildblumen allmählich wieder verschwinden.