Paris – Königstein - Berlin

Ihr qualitätsvolles Schaffen zählt zu den interessanten und wichtigen Positionen der

deutschen Kunst des 20. Jahrhunderts, die es zu entdecken gilt. Die Ausstellung

stellt das reiche und vielseitige Werk der Künstlerin in den Fokus, darunter Gemälde,

Collagen, Farb-/Filzstiftarbeiten, Aquarelle, Gouachen, Pastelle und Druckgraphiken.

Immer wieder überraschende Techniken und Materialien beeindrucken dabei ebenso

wie die kraftvolle Individualität und Eigenständigkeit dieser Künstlerin.

Einzelne Werke von Rösler waren bereits in den vergangenen Jahren im MGGU zu

sehen. Dabei wurde deutlich, dass ihr Werk ein wahrer Schatz ist, dessen Fülle noch

nicht vollständig gehoben wurde. Diese Erkenntnis aus den vorherigen

Präsentationen im MGGU bildete den Ausgangspunkt für die Planung einer

umfassenden Einzelausstellung, initiiert und kuratiert von Susanne Wartenberg. Mit

einer beispiellosen Intensität tauchte sie in das Leben und Schaffen der Künstlerin

ein, analysierte Fotos, Dokumente und andere archivarische Materialien. Zusätzlich

durchforstete sie die erhaltenen Werke und traf schließlich eine Auswahl an

Exponaten, die einen umfassenden Einblick in das Gesamtwerk sowie die

Schwerpunkte von Louise Rösler bieten.

Ina Neddermeyer, die neue Museumsdirektorin, bedankt sich bei allen Beteiligten,

die dazu beigetragen haben, dieses Ausstellungsprojekt möglich zu machen. „Es

bereitet mir eine außerordentliche Freude, das vielfältige Werk von Louise Rösler

hier im MGGU präsentieren zu können“, sagt sie. „Mit dieser Ausstellung leistet das

Museum einen weiteren bedeutenden Beitrag dazu, Künstler*innen außerhalb des

etablierten kunsthistorischen Kanons einem breiten Publikum zugänglich zu

machen.“

 

Kuratorin Susanne Wartenberg sagt: „Das Werk von Louise Rösler überzeugt in

seiner sinnlich-künstlerischen Qualität und ist reich an Erfindungsgeist. Es zeugt von

einer lebenslangen Neugier an unterschiedlichsten Techniken und Materialien.“

„Eine Entdeckung dieser nahezu unbekannten Künstlerin ist lohnenswert“, sagt

Prof. Dr. Enrico Schleiff, Präsident der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

 

ZUR KÜNSTLERIN

Aus einer Künstlerfamilie stammend, durchlief Rösler ihre Ausbildung an der

Privatkunstschule Hans Hofmanns in München und an den Berliner Staatschulen für

freie und angewandte Kunst, hier in der Klasse von Karl Hofer. Ausgedehnte

Studienaufenthalte in Paris, Südfrankreich, Spanien und Italien schlossen sich hieran

an. 1933 kehrte sie nach Deutschland zurück und ließ sich in Berlin nieder. Die

Großstadt wurde in dieser Zeit zum bestimmenden Motiv in Röslers Malerei und zieht

sich wie ein roter Faden durch ihr Werk.

1943 wurde Louise Rösler mit ihrer kleinen Tochter nach Königstein im Taunus

evakuiert, nachdem die Atelierwohnung der Familie durch einen Bombenangriff

komplett zerstört worden war. Ihr Mann Walter Kröhnke war bereits 1939 zur

Wehrmacht einberufen worden und galt seit 1944 galt in Russland als vermisst. Trotz

der äußerst schwierigen Umstände gelang Rösler in Königstein die Wiederaufnahme

ihrer künstlerischen Tätigkeit. Ihre vormals gegenständlich geprägten Malereien

wurden nun zunehmend abstrakter, Farbe und Form entfalteten sich autonom.

Zudem entdeckte die Künstlerin die Collage als neue Ausdrucksform. Gefundene

Materialien des städtischen Alltagslebens, wie z.B. Bonbonpapier, Blisterpackungen

sowie plastische Teile aus Holz, Metall und Plastik fanden nun Eingang in ihre

Bildkompositionen.

1959 kehrte Louise Rösler nach 16 Jahren in der Rhein-Main-Region zurück in ihre

Heimatstadt Berlin und setzte dort ihre künstlerische Tätigkeit teils in noch freierer

Form, teils wieder mehr gegensgenstandsbezogen fort. Bis kurz vor ihrem Tod 1993 war

sie künstlerisch tätig.

 

Die Ausstellung ist noch bis zum 25. August zu sehen.

MGGU – Museum Giersch der Goethe-Universität, Schaumainkai 83, 60596

Frankfurt am Main

Eintritt: Erwachsene 7 € / Ermäßigt 5 €. Freier Eintritt für Personen unter 18 Jahren

und Schulklassen.

Öffnungszeiten: Di, Mi, Fr, Sa, So 10–18 Uhr, Do 10–20 Uhr

An Feiertagen 10–18 Uhr