Fesselnde Lesung in der
Stadtbibliothek

Im Mittelpunkt steht der junge Andreas, der Ende der 1950er Jahre mit seinen Eltern im Dorf Niederhofheim lebt. Während die Eltern mit dem Bau eines eigenen Hauses den Schatten der Vergangenheit entfliehen und sich ein Leben im Wohlstand aufbauen möchten, kämpft ihr Sohn bereits in der Grundschule mit den Erwartungen seines ehrgeizigen Vaters und der Lehrer. Oft zieht sich der sensible Junge in den dunklen Keller des Hauses zurück.

Erst als seine lebensfrohe Tante „Gisèle“ in die Familie einzieht, kehren Lachen und Leichtigkeit in das Elternhaus zurück. Doch ihr plötzliches Verschwinden nach Ostdeutschland erschüttert Andreas zutiefst. Die Spannungen zwischen Vater und Sohn wachsen, bis Andreas als Jugendlicher nach einem heftigen Streit sein Zuhause verlässt. In Frankfurt am Main gerät er in die Hausbesetzer- und Drogenszene – eine prägende Zeit, in der nicht nur er selbst reift, sondern auch sein Traum von einem eigenen Kino Gestalt annimmt.

Iris Otto verstand es, die Zuhörer mit ihrer lebendigen und ausdrucksstarken Lesung in den Bann zu ziehen. Musikalische Einspieler aus den jeweiligen Jahrzehnten unterstrichen dabei die Atmosphäre der Handlung und ließen die Zeit des Wirtschaftswunders, des Mauerbaus, der 68er-Bewegung und des Kalten Krieges lebendig werden.

Das Publikum dankte der Autorin mit großem Applaus für einen fesselnden und zugleich amüsanten Abend, der Literatur und Zeitgeschichte auf besonders anschauliche Weise miteinander verband.