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Neophyten - Problempflanzen in unserer Königsteiner Gemarkung und anderswo

Wir kennen sie aus Parks und Gärten als große Pflanzen mit auffallender Blütenpracht. Wir erleben sie auf unseren Spaziergängen in Bach- und Flusstälern, im Auwald und in der Ackerlandschaft. Zur Blütenzeit werden sie besonders augenfällig durch ihre in der Kulturlandschaft ausgebreiteten farbigen Teppiche, wenn sie riesige flächendeckende Pflanzenbestände bilden.



Die Rede ist von Zierpflanzen, die vor einigen Jahrzehnten den Sprung über den Gartenzaun in die freie Landschaft geschafft haben und sich seitdem dort ungehindert ausbreiten.

Sie sind „Neubürger“ in unserer heimischen Flora, auch unter dem Fachbegriff „Neophyten“ bekannt, und wurden teils als Zierpflanzen, insbesondere auf dem Wege der Samenverbreitung, aus fernen Ländern absichtlich oder unabsichtlich über andere Handelsgüter eingeschleppt. Ihnen allen gemeinsam ist, dass sie sich sprunghaft vermehrt haben, flächendeckende Bestände bilden und mitunter zu regelrechten Monokulturen ausgewachsen sind.

Auf ihren Besiedlungsstandorten sind sie äußerst konkurrenzfähig gegenüber einheimischen Arten. Ihre Ausbreitungsmechanismen arbeiten sehr effizient, sei es über die Samenverbreitung oder die ungeschlechtliche Vermehrung mittels Wurzelstock – oder Sprossknollen. Damit können sie sehr große und dichte Bestände bilden, die anderen Pflanzenarten kaum noch Raum und Licht zum Wachsen lassen und in kurzer Zeit Höhen von zwei bis drei Meter erreichen.

Einige Beispiele : Eine Pflanze des Indischen Springkrauts s.u. kann bis zu 2000 Samen produzieren. Die Samen werden bis zu 7 Meter aus der Frucht herausgeschleudert, sind schwimmfähig und können sich über die Fließgewässer verbreiten. Beim Riesenbärenklau s.u. (auch Herkulesstaude genannt) kann eine durchschnittliche Pflanze bis zu 20 000 Samen bilden, einzelne Pflanzen produzieren sogar bis zu 100 000 Samen! Ein Teil dieser Samen bleibt über einige Jahre im Boden keimfähig.

Auch die Tierwelt erleidet in größerem Maße Schaden: mit dem Zurückdrängen der heimischen Flora, den Futter- bzw. Wirtspflanzen verschwindet auf diesen Flächen dann zwangsläufig eine große Zahl an Wildbienen, Käfer und Schmetterlingsraupen, die ihre Nahrungsresourcen verloren haben.

Unter diesen problematischen neophytischen Pflanzen sind u.a. das sogenannte Indische Springkraut auch Drüsiges Springkraut genannt (Impatiens glandulifera), der Japanische Staudenknöterich (Reynoutria japonica), der Riesenbärenklau auch Herkulesstrauch (Heracleum mantegazzianum), die Tobinambur (Helianthus tuberosus) und die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) bekannt.


Nahaufnahme des Indischen Springkrauts (synonym: Drüsige Sprinkraut) in der Blütenansicht


Ein Exemplar einer Herkulesstaude im frühen Stadium; es existiert nur die Blattrosette


Herkulesstaude im ausgewachsenen Stadium


Übersichtsaufnahme des Japanischen Staudenknöterichs im Gebiet „Auf dem Bangert“ im Außenbereich von Königstein im Taunus – die Pflanze überwuchert die Baumscheibe der Birke


Nahaufnahme des Japanischen Staudenknöterichs ausgewachsen z.Zt. ohne Blütenstand

Im Königsteiner Raum haben wir es vor allem mit dem Vorkommen des Riesen-Bärenklau, dem Indischen Springkraut und dem Japanischen Staudenknöterich auf überwiegend feuchten Standorten d.h. in der Grummbachsaue von Mammolshain, am Rande der Ortslage Falkenstein im Reichenbachtal , im Flora- Fauna- Gebiet am Bangert in Ufernähe des Rombachs zu tun. Der Japanische Staudenknöterisch bildet vor allem flächenhafte Bestände entlang der Verkehrswege z.B. der B 455 , etc.

Zur Zeit ist die Stadtverwaltung von Königstein im Taunus damit beschäftigt, diese Pflanzen flächenhaft zu erfassen, und gezielte Bekämpfungsmaßnahmen für die jeweilige Neophytenart zu entwickeln und durchzuführen. Die Maßnahmen reichen von einfachem Herausreißen der Pflanze, über Schnitt- bzw. Mulchverfahren, Wurzelrhizomentfernung mit umweltschonendem Spezialgerät und bei hartnäckiger Verbreitung sogar bis zum härtesten, diesen in besonderen Fällen aber unvermeidlichen, gezieltem Herbizideinsatz, je nach Bestandsgröße der Pflanzenpopulation, dem spezifischen Fortpflanzungsverhalten und weiterer biologischer Besonderheiten.

Erst vor Kurzem hat die Stadt Königstein im Taunus in Kooperation mit dem Landschaftspflegeverband eine erste Sanierungsmaßnahme an der Feuchtbrache Obere Grummbach in Mammolshain erfolgreich durchgeführt. Ebenso wurden die Herkulesstauden (Riesenbärenklau) auf diesen Flächen eigens in mehreren Arbeitsgängen bekämpft.

Diese Maßnahmen müssen in den nächsten Jahren fortgesetzt werden, um auf Dauer Wirkung zu zeigen. Auf eine enge Zusammenarbeit mit den Eigentümer dieser Flächen wird in Zukunft großen Wert gelegt.

Bürgermeister Helm bittet in diesem Zusammenhang die Bürgerinnen und Bürger von Königstein im Taunus bei der Erfassung dieser Pflanzen aktiv mitzuwirken: Sollten Sie auf die eine oder andere Pflanze im Stadtraum wie auch im Außenbereich stoßen, bitte wir um ihre Hinweise bei der städtischen Umweltberatung Tel. 06174/ 202-274 .

Einen ganz wichtigen Hinweis sollten Sie als Laie jedoch beachten:
Wegen der Gefahr der Hautverbrennungen durch Kontakt mit dem Pflanzensaft des Riesenbärenklau sollten Sie jegliche Berührung vermeiden! Wenn Sie sich nicht sicher sind hinsichtlich der Identifizierung dieser Pflanze, fragen Sie bei der städtischen Umweltberatung nach.



(29.07.2008)


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