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Verleihung des Eugen-Kogon-Preises an Hildegard Hamm-Brücher

Mit dem Eugen-Kogon-Preis ehrt die Stadt Königstein seit 2002 Menschen, die sich den Grundwerten lebendiger Demokratie verpflichtet fühlen, ihr Leben in den Dienst dieser Werte gestellt haben und dabei so erfolgreich waren, dass dies auch an ihrer öffentlichen Bedeutung ablesbar ist. Der Preisträger wird von einem 20-köpfigen Kuratorium unter dem Vorsitz des Stadtverordnetenvorstehers Alexander Freiherr von Bethmann bestimmt. Der Preis erinnert an den bekannten Publizisten und Politologen Professor Dr. Eugen Kogon, der bis zu seinem Tod 1987 in Falkenstein lebte. Zeitlebens setzte er sich leidenschaftlich für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit ein.

In diesem Jahr fiel die Wahl auf Dr. Dr. h.c. Hildegard Hamm-Brücher, die als erste Frau mit dem Eugen-Kogon-Preis ausgezeichnet wird. Sie wurde von mehreren Mitgliedern des Kuratoriums vorgeschlagen und einmütig als würdige Kandidatin auserkoren. Mit der Auszeichnung wird ihr konsequenter und engagierter Einsatz für Demokratie und Gerechtigkeit gewürdigt.

Die 1921 geborene Hamm-Brücher wurde früh zur Vollwaisen und schaffte es als Halbjüdin trotz der Drangsalierungen durch das Nazi-Regime, ihr Abitur zu machen und in Chemie zu promovieren. Nachdem Grundlagenforschung in Chemie nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs durch das Kontrollratsgesetz verboten wurde, arbeitete sie als Wissenschaftsredakteurin bei der Neuen Zeitung.

Hamm-Brücher war jahrzehntelang Mitglied der FDP, seit Mai 1948 Mitglied des bayrischen Landtags, später des Bundestags und von 1976 bis 1982 unter Außenminister Hans-Dietrich Genscher Staatsministerin im Auswärtigen Amt. Ihre Partei stellte sie 1994 als Kandidatin für die Bundespräsidentenwahl auf. Acht Jahre später trat sie aus der FDP aus, weil sich die Partei ihrer Meinung nach zu sehr an die, wie sie sagt, „antiisraelischen und einseitig pro-palästinensischen Positionen des Herrn Möllemann" angenähert hatte, was sie stets massiv kritisierte.

Auch Hamm-Brüchers gesellschaftliches Engagement ist umfangreich. Die Gründung der überparteilichen Theodor-Heuss-Stiftung, deren Vorsitzende sie lange war, geht auf ihre und die Initiative von Ernst Ludwig Heuss zurück. Sie ist Mitglied des Kuratoriums am Jüdischen Zentrums München, des Goethe-Instituts und des Vorstands des Fördervereins Demokratisch Handeln e.V.

Hildegard Hamm-Brücher wurde bereits mehrfach für ihre Verdienste geehrt, unter anderem 1992 mit der Buber-Rosenzweig-Medaille, 1995 mit der Ehrenbürgerschaft der Stadt München, die sie als erste Frau erhielt, und 2005 mit der Ehrendoktorwürde der Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität in Jena.

Die Verleihung des mit 5.000 Euro dotierten Preises fand am 17. September um 18 Uhr im KTC Königstein, Ölmühlweg 65, statt.

Die Laudatio auf Hildegard Hamm-Brücher hielt die Bundestagspräsidentin a.D. Prof. Dr. Dr. hc. mult. Rita Süssmuth.





(20.09.2010)


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