Königstein im Taunus

Kunstwerkstatt sollte Kompromissbereitschaft zeigen

Zum Bericht der Königsteiner Woche bezüglich der Kunstwerkstatt Königstein stellt Bürgermeister Leonhard Helm zunächst richtig, dass deren Geschäftsführerin Sabine Mauerwerk sehr wohl noch Stadträtin für die ALK ist, sie ist sogar ehrenamtliche Kulturdezernentin.

Zusammen mit dem Vorstandsmitglied der Kunstwerkstatt, Gabriela Terhorst, die ebenfalls für die ALK im Magistrat sitzt, verankert sie die Interessen der Kunstwerkstatt in den wichtigsten Gremien der Stadt. Dabei ist selbstverständlich: Die Repräsentantinnen der Kunstwerkstatt nehmen an entsprechenden Abstimmungen nicht teil.

Der Blick auf die in der letzten Woche vorgestellte mögliche Lösung erfordert aber klare Worte: Natürlich hat die Stadt Königstein großes Interesse am Erhalt der Kunstwerkstatt und unterstützt sie gerne. Dennoch müssen dabei auch Budget und Gleichbehandlung im Fokus bleiben. Daher kann eine Lösung nicht zu jedem Preis erfolgen. So wie bei allen städtischen oder städtisch geförderten Projekten sind hier Augenmaß, Bescheidenheit und Kompromissbereitschaft gefordert. Auch die Kunstwerkstatt muss in der Lage sein, hier Spielräume auszuloten und gegebenenfalls von den bisherigen Forderungen Abstriche hinzunehmen. Maximalforderungen bringen niemanden weiter, am wenigsten die Kunstwerkstatt.

Die Stadt hat als Interimslösung die frühere Neuapostolische Kirche in der Schneidhainer Straße vorgeschlagen. Dies sollte deswegen nur eine vorübergehende Lösung sein, weil mit den beiden daneben liegenden Grundstücken – das Gelände der Autowerkstatt und das des Wertstoffhofes und der Stadtwerke – die bereits lange auch in städtischem Besitz sind, längerfristig eine städtebauliche Gesamtplanung angedacht werden soll.

Die frühere Kirche hat eine Größe von etwa 150 qm. Die Vertreterinnen der Kunstwerkstatt sehen aber zwingend eine Nutzungsfläche von 300 qm als Mindestmaß. An liebsten wäre es ihnen, die Kirche bis zu den Grundmauern abzureißen und neu zu bauen. Bei einem Baupreis je Quadratmeter von schätzungsweise 3.000 € reden wir hier also von 900.000 € Baukosten. Selbst wenn man an den bestehenden Bau nur die fehlenden 150 qm anbauen würde, schlüge dies mit immer noch mit 450.000 € zu Buche.

Wenn diese Kosten die Stadt zu einem großen Teil übernehmen soll, muss dies natürlich von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen werden. Es würde also nicht reichen, nur die Magistratskollegen zu überzeugen. Wenn hier aber solche Investitionen getätigt werden, könne es sich dann auch nicht mehr nur um ein Provisorium handeln und der Stadt würde die Möglichkeit genommen, zu einem späteren Zeitpunkt das wertvolle Gesamtgelände mit etwa 1.000 qm für andere Zwecke nutzen zu können. Auch deswegen ist Helm nach wie vor gegen den massiven dauerhaften Ausbau auf dem wertvollen Grundstück. Er sieht für diese Lösung im Wert von fast zwei Millionen Euro weder bei der Kunstwerkstatt noch der Stadt ausreichende Finanzierungsmöglichkeiten noch Mehrheiten in den Gremien. Dabei spielt dann natürlich auch die Gleichbehandlung anderer Königsteiner Vereine und Einrichtungen eine Rolle.

Im Bemühen um eine gute Lösung für die Kunstwerkstatt hat Helm selbstverständlich Alternativvorschläge unterbreitet. Das bestehende Haus auf dem Gelände der früheren Kirche könne für die Bedürfnisse der Kunstwerkstatt für geringes Geld umgebaut werden und Tanz- und Theaterkurse, die mehr Platz brauchen, könnten zu festgelegten Zeiten im Haus der Begegnung stattfinden. Diese Aufsplittung könne so lange Gültigkeit haben, bis der Neubau am Hardtberg oder eine alternative Baulichkeit fertiggestellt sei, also mindestens zwei Jahre.

Um an einen erstklassigen Neubau mit der gewünschten Fläche sowie eine nachhaltige Finanzierungshilfe der Stadt zu kommen, müssten die Vertreterinnen der Kunstwerkstatt zwei vergleichsweise kleine Kröten schlucken: Für eine begrenzte Zeit zwei „Spielstätten“ nutzen und zwei Mal umziehen. Helm sieht das als absolut zumutbar an. Ganz besonders, weil fast mehr als ein Drittel der heutigen Kurse Erwachsenenkurse, Tanz- oder Theaterkurse sind. Und wer weiß - mit der großen Außenfläche an der Schneidhainer Straße gelingt es der Kunstwerkstatt vielleicht sogar, kreativ Neuland zu betreten und so aus der Not eine Tugend zu machen.