Königstein im Taunus

Französische Revolutionäre und hessische Grenadiere begegnen sich in der Stadt

Die französische Revolution war im Herbst 1792 bis in das Rhein-Main-Gebiet vorgestoßen, um dort unter dem Motto "Friede den Hütten, Krieg den Palästen" für die neue französische Republik zu werben. In der Realität führten die Soldaten jedoch einen Feldzug gegen die "vollen Schatullen", plünderten vor allem im Taunus und in der Wetterau die Kassen und Warenlager der Ämter und zogen den Unmut großer Teile der Bevölkerung auf sich.

Als preußische und hessische Truppen am 2. Dezember die französische Verteidigung bei Oberursel umgehen konnten, zogen sich die "Freiheitsschwindler" - wie die Franzosen von den hiesigen Einwohnern genannt wurden, auf die Festungen Königstein und Mainz zurück. Schon am 4. begannen die deutschen Verbände die 300 verbliebenen Franzosen in Königstein zu beschießen. Doch - oh Wunder - die Gegenseite blieb stumm, kein Schuss löste sich. Bis zum 8. Dezember musste Königstein die Kanonade ertragen - während die Schäden auf der Festung unbedeutend blieben, gingen in der Stadt die Post, das Kapuzinerkloster und Dutzende weiterer Häuser, Scheunen und Ställe in Flammen auf. Was nicht ein Opfer der Flammen wurde und nicht niet- und nagelfest war, wurde in den kommenden Tagen geraubt.

Diesem schrecklichen Ereignis gedenkt die Stadt am Samstag, 2. Dezember, fast taggenau 225 Jahre nach dem Brand. Stadtarchivarin Beate Großmann-Hofmann wird gemeinsam mit Dr. Dr. Mark Scheibe von der Stiftung Historische Kommission für die Rheinlande 1789-1815 um 10 Uhr in der Hauptstraße gegenüber der Buchhandlung Millennium  eine Gedenktafel enthüllen. Anschließend werden Darsteller in zeitgenössischer Kleidung und Ausrüstung mit einer historischen Gribeauval-Kanone Ehrensalven im Kurpark abgeben und allen Zuschauern diese Zeit nahebringen. Um 11 Uhr wird die Vorführung wiederholt, die Revolutionäre kochen anschließend gemeinsam mit ihren hessischen Gegnern im Kurpark eine Suppe.

Alle geschichtsinteressierten kleinen und großen Königsteiner werden gebeten, den notleidenden Revolutionären und den nicht minder hungrigen Hessen eine Kleinigkeit zur Verpflegung zu spenden - eine kleine Ecke Käse, etwas Schinken, eine Mohrrübe oder ein wenig Wein werden gerne angenommen. Die authentisch gekleideten Darsteller haben diese Unterstützung dringend notwendig, denn sie werden schon die Nacht zuvor unter freiem Himmel, ohne Schlafsack und moderne Hilfsmittel verbracht haben, egal bei welcher Temperatur.

Die Veranstaltung ist Teil der Wanderausstellung "Expedition Custine - Rheinland-Pfalz, Hessen und die gescheiterte Freiheit", die bereits in Mainz und Oberursel n zu sehen war und im kommenden Jahr ins Hessische Staatsarchiv Darmstadt gehen wird.
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28.11.2017